19. August 2015

Bloß zwei Buchstaben von Brüssel entfernt



Eben noch irgendwo in Brandenburg und nun bloß noch zwei Buchstaben von Brüssel entfernt!

17. August 2015

Moos Street Art



Eine mir bislang nicht bekannte Variante von Street Art: Moos an Wände kleben!

16. August 2015

Es fährt kein Zug nach Nirgendwo



Spandau, ehem. S-Bahnhof Siemensstadt

23. Mai 2015

6. März 2015

Heidi auf Hawaii



Seit kurzem arbeite ich in der Filmbranche, als Assistent eines Assistenten. Es ist Vormittag, es ist viel Kaffee und es ist Meeting. Es wird diskutiert über eine zeitgemäße Neuverfilmung von Heidi. Eine freie Adaption soll es werden, eine entrümpelte Coverversion.

Heidi soll auf Hawaii spielen. Des Alm-Öhis Hütte steht dann nicht mehr in den Schweizer Alpen, sondern auf einem hawaiianischen Vulkan. Tante Dete, eine Bitch, die lieber in Hollywood Karriere machen will, hat dem Alm-Öhi die kleine Heidi durch die Tür geschoben und nun sitzt der griesgrämige Alte da mit seiner energiegeladenen Enkelin, die unbedingt eine große Surferin werden will.

Und Ziegenpeter? – Auf Hawaii kümmert sich Ziegenpeter nicht um Ziegen, sondern er ist ein Surfkumpel von Heidi, der sich besonders gut mit Delfinen versteht. Delfinpeter sozusagen.

Im Meeting entbrennt ein Streit darüber, wie sich Klara und Fräulein Rottenmeier in die Neuverfilmung integrieren ließen. Anstatt sich auf eine Variante zu einigen, wird bald die Idee favourisiert, Heidi nicht auf Hawaii, sondern besser in Kalifornien – zum Beispiel in San Francisco – spielen zu lassen.

Und in San Francisco, einer der homofreundlichsten Städte der Welt, erlebt Heidi ihr lesbisches Coming-Out und verliebt sich in Klara. Klara stammt – im Gegensatz zum Original – nicht aus Frankfurt am Main, sondern aus einem Kaff namens Frankfort, Ohio. Dort hat sie es nicht mehr ausgehalten und ist nach San Francisco durchgebrannt. Ihr auf den Fersen ist Fräulein Rottenmeier, eine religiöse Fanatikerin, die glaubt, Klara von ihrer Homosexualität heilen zu können.

Und Ziegenpeter ist Heidis bester schwuler Freund und mangels Ziegen widmet sich Ziegenpeter stattdessen vernachlässigten Wohlstandskötern.

Allerdings hat niemand im Meeting einen Vorschlag, wie der Alm-Öhi in dieses Setting eingebunden werden könnte. Woraufhin ich vorschlage, die neue Heidi doch in Rio de Janeiro anzusiedeln. Dann stünde die Hütte des Alm-Öhis auf dem Zuckerhut und Heidi wäre eine aufstrebende Sambatänzerin. Ziegenpeter ist ihr Choreograph. Und Klara sitzt – wie im Original – im Rollstuhl, und ihr größter Traum ist es, einmal beim Karneval mitzutanzen.

Und Fräulein Rottenmeier? – Die hat sich 1945 mit ihrem Gatten, einem hochrangigen Nazi, nach Brasilien abgesetzt und hält Samba für entartete Kunst.

Heidi an der Copacabana. Heidi auf Hawaii. Heidi auf der Golden Gate Bridge. Heidi am Kilimanjaro. Heidi im Himalaya. Heidi im Vatikan. Heidi beim Eurovision Song Contest. Heidi bei Heidi Klums Germany's Next Topmodel, mit Heidi Klum als Fräulein Rottenmeier und Wolfgang Joop als Alm-Öhi. Die Fantsasie versetzt Berge.

Es war Vormittag, es war viel Kaffee und es war Meeting. Und morgen diskutieren wir über eine neue Version von Biene Maja.

12. Februar 2015

Σάουντρακ κρίσης (Soundtrack zur Krise)



Griechenland ist nicht nur Krise, sondern auch Musik. Lasst Άννα Βίσση (Anna Vissi) nach Brüssel fliegen und sie folgendes Lied singen: Ας κάνουμε απόψε μιαν αρχή (Lass uns heute Abend einen Anfang machen). Mit diesem Lied gewann Άννα Βίσση bereits 1977 das Φεστιβάλ Τραγουδιού Θεσσαλονίκης (Thessaloniki Song Festival) und legte damit den Grundstein für ihre bis heute andauernde Karriere. Ihre Spannweite reicht von traditionell klingenden Meldodien bis hin zu zeitgenössischen Discobeats wie in Call Me aus dem Jahr 2003.

Wenn die Winde der Krise besonders hoch peitschen, empfiehle ich Ανεμοδαρμένα ύψη (Sturmhöhe) von Καίτη Γαρμπή (Keti Garbi), veröffentlicht 2013. Und um einen Lichtstrahl am Ende des Tunnels zu sehen, höre dir jenes Lied an, mit dem Καίτη Γαρμπή 1993 beim Eurovision Song Contest antrat: Ελλάδα, χώρα του φωτός (Griechenland, Land des Lichts).

Stammtischpolitiker haben es schon immer gewusst: Griechenland steckt bloß deswegen in der Krise steckt, weil dort Alkohol für umme ausgeschenkt wird. Alkohol is free - diesen Titel sang die Ska-Band Koza Mostra, unterstützt von dem Volksmusiksänger Αγάθωνας Ιακωβίδης (Agathonas Iakovidis), beim Eurovision Song Contest 2013. Und für den Fall, dass jemand durchdreht, haben Koza Mostra noch dies im Programm: Με τρέλα (Mit Wahnsinn).

Die Hip-Hop Band Stavento kooperiert gern mit Sängerinnen aus den Genres Pop und Dance. Mit Έλενα Παπαρίζου (Helena Paparizou), ESC-Gewinnerin 2005, wurde im vorletzten Jahr Στην άκρη του κόσμου (Am Ende der Welt) aufgenommen. Griechenland allerdings ist nicht irgendein Konstrukt am Ende der Welt, sondern lässt sich in nahezu jeder deutschen Stadt auch kulinarisch erfahren; selbst in Frankfurt (Oder) gibt es ein griechisches Restaurant! Esst Moussaka und tanzt Sirtaki bis der Morgen kommt und dann ist die Zeit reif für dieses Lied von Stavento feat. Ήβη Αδάμου (Ivi Adamou): Σαν έρθει η μέρα (Wenn der Morgen kommt).

In dieser subjektiven, nicht auf Vollständigkeit angelegten Auflistung, soll eine Sängerin nicht fehlen: Δέσποινα Βανδή (Despina Vandi), die George Michael Griechenlands. Analog zu George Michaels Last Christmas sang Δέσποινα Βανδή das populärste griechische neuzeitliche Weihnachtslied: Χριστούγεννα (Weihnachten). Δέσποινα Βανδή wurde 1969 in Tübingen geboren; als sie sechs Jahre alt war, ging die Familie zurück nach Griechenland. Und seit den 90ern ist sie eine bekannte Größe im Musikgeschäft. Für den Soundtrack zur Krise habe ich eine ihrer letzten Singles ausgewählt: Όλα aλλάζουν (Alles verändert sich).

5. Januar 2015

Bärgida

Wenn eine Tageszeitung mich nicht gerade aufgeklärt hätte, würde ich immer noch denken, bei "Bärgida" handle es sich um eine Protestkampagne gegen "Pegida", initiiert von haarigen schwulen Männern (im Fachjargon auch "Bären" gennant). Tatsächlich aber ist "Bärgida" der Berliner Ableger von "Pegida". Ich lege die Zeitung beiseite und erwäge, eine Kampagne namens "Kotzgida" (kurz für: "Kotzen gegen islamophobe Deppenaffen") zu starten. Mein verkaterter Mitbewohner schaut mich überrascht an; statt "Kotzgida", hat er "Kotz, Guido!" verstanden, und er kotzt über den Frühstückstisch.

30. Dezember 2014

Glatz-o-mat



Meine Damen und Herren, ich zeige mehr Haut – seit ich eine Glatze trage. Und die Haare stehen mir nicht mehr zu Berge, wenn ich dem Publikum haarsträubende Geschichten erzähle. Niemand kann mir vorwerfen, meine Handlungsstränge seien an den Haaren herbeigezogen.

„Lass mein Haar herab!“ sagte ich zu Rapunzel, der Frisörin. „Lass mein Haar herab, damit mir, wenn ich Sorgen hab, keine grauen Haare wachsen. Und damit mir niemand mehr ein Haar krümmt, wenn er mir was krumm nimmt.“

Seit Rapunzel kein gutes Haar an mir ließ, kriege ich mich mit keinem mehr in die Haare – und werde auch nicht mehr von kulinarisch sonderbar veranlagten Menschen belästigt: Niemand mehr will mir die Haare vom Kopf fressen.

Allerdings bin ich keine Gelegenheit mehr, die sich beim Schopf packen lässt. So wäre ich bei einem Outdoortrip durch den Dschungel von Borneo um ein Haar ertrunken, weil ich mich nicht an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen konnte.

Ansonsten empfiehlt sich eine Glatze auch aus Platzgründen: Von Jahr zu Jahr nämlich werde ich stetig klüger und wenn der Verstand wächst, müssen halt die Haare weg!

Am Alexanderplatz habe ich nun einen Glatz-o-maten aufgestellt, etwa so groß wie ein Fotoautomat. Du gehst rein und nach wenigen Minuten kommt nicht dein Passbild raus, sondern du kommst mit Glatze raus. Ein neues Passbild erhältst du erst dann noch dazu, nachdem du weitere vier Euro eingeworfen hast.

Jetzt im Winter tragen viele Glatzen Mützen. Ich nicht. Als romantisch veranlagter Poet spüre ich gern, wie der Schnee auf mein Haupt fällt.

Die Eltern meines Freundes denken, ihr Sohn wäre mit einem Neonazi liiert. Im Gegenzug glauben meine Eltern, dass mein Freund ein Gotteskrieger ist, der mich zwingt, im Bett eine Burka zu tragen. Aber dazu muss er mich doch nicht zwingen!

9. November 2014

Ostbuxe

Damals hatte ich oft Sexualkontakte ostseits der Mauer und habe dort einmal einem Jungen meine Westjeans geschenkt. Doch anstatt mir im Austausch dafür von ihm seine Ostbuxe geben zu lassen, torkelte ich trunken vor Liebe und Alkohol in Unterhose zurück zum Grenzübergang. Die Westberliner Boulevardpresse machte den Vorfall publik und fortan war es unter Jugendlichen eine beliebte Mutprobe, sich der DDR-Grenze in Unterwäsche zu nähern.

29. April 2014

Reisen mit Uschi



Liebe Ingeborg,

meine Reisen buch ich ja bloß noch bei Uschi-Reisen!

Viele Grüße vom Gardasee
sendet Helga

17. April 2014

Euphoria

Statt mich mit aufgezwungenem Kram zu beschäftigen (wie über 269 Euro Rundfunkgebühr ärgern oder dem Ändern müssen meines Betriebssystems Windows XP zu Windows 7, 8, 9, 10 oder 11), kümmere ich mich heute mal um eine wirklich wichtige Angelegenheit: Ich werde mich in ein Second-Hand-Kaufhaus begeben und mit Hilfe der dortigen Einkaufsassistentinnen ein Kostüm für die Eurovision Song Contest Party auswählen!

27. Februar 2014

Neue Hose



Seit Längerem schon will ich mir eine neue Hose zulegen und recherchiere nach ihr im Internet; was bisher lediglich dazu geführt hat, dass mir am Bildschirmrand häufig Hosenwerbung angezeigt wird – unabhängig davon, ob ich nun gerade nach einer Hose suche oder nach Sexualkontakten.

Vom Flur her ertönt der verzückte Schrei meines Mitbewohners. Er hat ein zalando-Paket bekommen. Der verzückte Schrei weicht einem wütenden Brüllen, als mein Mitbewohner bemerkt, dass ihm die soeben gelieferten Schuhe zu klein sind.

Ich beschließe, meine neue Hose nicht im Internet zu kaufen, und begebe mich in ein analoges Kaufhaus. Ich stelle mich in die Herrenabteilung und rufe: „Guten Tag, ich bin ein Kunde und möchte eine Hose kaufen.“ Niemand außer ein paar Schülerinnen aus Bergisch Gladbach, die auf Klassenfahrt in Berlin sind, reagiert auf mich. Die Schülerinnen helfen mir, eine Hose auszuwählen.

Wieder zu Hause finde ich meinen Mitbewohner nackt vor. Sein Guru hätte als Kalenderblattspruch heute gepostet: „Streif all das ab, was von H&M ist, und du kommst deiner eigenen Persönlichkeit ein Stück weit näher.“ – Ich habe Sorge, dass der Guru morgen dazu auffordert, all das loszuwerden, was von IKEA ist.

Mein Mitbewohner begutachtet meine neue Hose und meint, dass ich in meinem Alter eigentlich längst ein Mindestmaß an Stilbewusstsein hätte entwickeln können. Sagt der, der neulich bei einer Lesung war, bei der 24 Stunden lang Songtexte von Andrea Berg rezitiert wurden.

Um Tiefgründigkeit zu demonstrieren, besuche ich einen Weltverbesserungskongress. Dort bekleckere ich mir meine neue Hose mit veganem Gulasch. Die Hose sieht nun so lecker aus, dass ein just des Weges kommender Hosenfetischist sich hinkniet und das Gulasch von meiner Hose leckt. Ich taufe den Hosenfetischisten auf den Spitznamen Waschmaschine und frage ihn, ob er zufällig auch einen Putzfetisch hat. Dann nämlich täte ich ihn gern noch zu mir nach Hause abschleppen.

12. Februar 2014

Milchshake



Als Teenager stand ich eines Nachmittags an einer Ampel, ein Cabrio fuhr vorbei, die Insassen beschimpften mich als Schwuchtel und ein Milchshake wurde nach mir geworfen. Wann immer ich in den Jahren danach an einer Ampel stand, habe ich versucht, bloß nicht homosexuell zu wirken, damit nicht wieder ein Getränk auf mich fliegt.

In Talkshows und Zeitungsinterviews behaupten homophobe Menschen gern, nicht homophob zu sein. Sie sind gar empört, wenn ihnen eine solche Eigenschaft unterstellt wird. Der Begriff Homophobie scheint eine Bedeutungsverschiebung zu durchleben: Ursprünglich waren bei Homophobie die Homos die Opfer, neuerdings sind bei Homophobie die Homophoben die Opfer.

Stell dir vor, ein Homophober steht an einer Ampel und versucht krampfhaft, nicht homophob zu wirken, wenn gerade ein quietschrosa Cabrio mit giggelnden Tunten drin angefahren kommt.

11. Februar 2014

Horizont durch Berge begrenzt

Schweiz. Bei einer Volksabstimmung sprach sich die Mehrheit dafür aus, das Zuwandern von Menschen aus anderen Ländern zu begrenzen – was mich zu der Frage führt: Haben die Schweizer vergessen, dass selbst Klara, Heidis beste Freundin, eine Ausländerin ist? – Klara kommt aus Frankfurt. Und neuesten Erkenntnissen nach weist auch Ziegenpeter einen Migrationshintergrund auf – Forscher vermuten als Geburtsort ein Dorf in der Nähe von Sarajevo.

28. Januar 2014

Ostschrippe

Seit kurzem arbeite ich in der Bäckerei Jablonski in Hohenschönhausen.

Um sich von den anderen Bäckereien im Umfeld abzusetzen, haben sich die Jablonskis einen ganz besonderen Werbegag ausgedacht. „Wissen Sie, Herr Mars, die Leute hier im Osten wollen gern etwas haben, mit dem sie sich identifizieren können“, hat mir Frau Jablonski bei der Einarbeitung erklärt. Darum heißen die Brötchen nicht etwa Schrippe, Rosinenbrötchen, Käsebrötchen oder Körnerknacker, nein, hier tragen die Brötchen Namen prominenter ostdeutscher Frauen.

„Drei Angela Merkels, bitte!“ heißt es zum Beispiel, wenn eine Kundin welche von den Hellen mit der Einkerbung in der Mitte haben möchte. Zudem gibt es die Franzi-van-Almsick-Schwimmer, das Kati-Witt-Olympiabrötchen, das Nina-Hagen-Mischbrötchen, das Stefanie-Hertel-Dinkelbrötchen, die Carmen-Nebel-Semmeln und die Dagmar-Frederic-Croissants.

Die Angela-Merkel-Schrippen laufen am besten, was keine Überraschung ist, die ganz schlichten Brötchen, die für gewöhnlich auch die günstigsten sind, laufen wahrscheinlich in jeder Bäckerei am besten. Derartige Banalitäten ignorierend hat Frau Jablonski die Bundeskanzlerin aufgrund des Schrippenumsatzes zur beliebtesten Frau Ostdeutschlands gekürt.

Darüber hinaus hat die Jablonski mit ihrem Mann die Beitrittsunterlagen für die CDU ausgefüllt. „Wenn wir erst in der CDU sind, sagt mein Mann, dann steigen die Chancen, dass wir es schaffen, dass die Angela Merkel mal in unserem Laden vorbeikommt.“

Ich hoffe, Angela Merkel kommt an einem Dienstag, denn dienstags hab ich immer frei.

5. Januar 2014

Erster!



Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond. Lena Gercke war die erste Gewinnerin bei Germany’s Next Topmodel. Und ich war der Erste in meiner Klasse, dem schon Haare am Sack wuchsen, während bei den anderen Jungs die Genitalien noch aussahen wie kleine tief gefrorene Hähnchen.

Für den Ersten kann das Erster sein das Letzte sein, wenn er als Erster in der Clique beim Ladendiebstahl erwischt wird, als Erster an einem neuen Virus verreckt oder als Erster bei einem Poetry Slam auftreten muss.

Als erstgeborenes adliges Wesen wärst du der Kronprinz oder die Kronprinzessin und dürftest später König oder Königin werden. Als Erstgeborener in deiner Familie spielst du nicht die erste Geige; deine Eltern wollten eigentlich erst deine Geschwister machen und nur eventuell, vielleicht später, noch dich, du Nachgeburt!

Wenn du nicht weißt, wohin du gehen sollst, gehst du erstmal zu Penny und diskutierst mit der Kassiererin darüber, was zuerst da war: Das Huhn oder das Ei? – Zu Hause dann guckst du im Ersten eine Doku über den Ersten Weltkrieg. Und als du später im Bett zum ersten Mal in dieser Nacht onanierst, denkst du an deine erste große Liebe.

Du gingst bei der letzten Bundestagswahl mit Mitte dreißig noch als Erstwähler durch, weil dies die erste Wahl war, zu der du nicht erst nach 18 Uhr beim Wahllokal aufgekreuzt bist. Und während du in der Politik erst spät die erste Wahl getroffen hast, hast du dich, was deine Kleidung anbelangt, schon früh auf Zweite Wahl festgelegt.

Du schreibst erst seit zehn Jahren an deinem literarischen Erstlingswerk und hast in jedem Studiengang, der an deiner Uni angeboten wird, zumindest das erste Semester absolviert. Das muss dir erst einmal jemand nachmachen!

31. Dezember 2013

Wenn ein Fisch Ohren hätte, würde er sie anstelle von Wattestäbchen mit Fischstäbchen säubern



Dieser Text wurde zu Papier gebracht mit einem Tintenfisch. Alternativ hätte ich auch mit einem Lachs schreiben können, aber lachsfarben liest sich so schlecht auf weißem Papier.

Da er zur Produktion von Literatur ungeeignet ist, ergreift der Lachs den Beruf des Fischquiz-Quizmasters und fragt: „Was ist der Unterschied zwischen einem Fisch und Helene Fischer?“ – Die Antwort: „Ein Fisch lebt im Wasser, Helene Fischer lebt im ZDF. Und Gotthilf Fischer lebt hoch auf dem gelben Wagen.“

Der Fischquiz-Quizmaster kennt auch die DDR-Ernährungsparole Fisch auf jeden Tisch. Bei der Pfarrerstochter Angela Merkel gibt’s zumindest an Karfreitag Fisch. Und seit Angela Merkel als Backfisch in der Uckermark angeln ging, hat sie einen Stockfisch im Arsch.

Apropos Politik: Ein nationalsozialistisch gesinnter Fisch nennt sich Braunfisch. Und sollten Sie in diesem Text nach einem tieferen Sinn suchen, angeln Sie vergebens.

Komme ich nun zum Goldfisch. Als Goldfisch wird jemand bezeichnet, der bei den Olympischen Spielen im Schwimmen eine Goldmedaille gewonnen hat.

Der tolle olympische Hecht zieht durchs Wasser wie durch Hechtsuppe und ist danach platt wie ’ne Flunder und windet sich später wie ein Aal, nachdem er dabei erfischt wurde, wie er im Trüben fischte – also Dopingfischfutter genommen hat.

Und ein weiterer Skandal erschüttert die Fischköppe: Weil der Aralsee verlandet, verlangt Aral, dass Shell auch keinen Schellfisch mehr haben soll. Wogegen schwärmeweise die Fische demonstrieren:
Mit fangfrischem Atem von Fischermen’s Friend
der Fischmob auf den Hamburger Fischmarkt rennt.

Der Fischmob schimpft wie ein Fischweib. Ein Fischweib genervt Tränengasbutter bei die Fische kippt und Fischers Fritz das Fischweib fix fickt. Er ist Wassermann und sie ist Fisch, d’rum bleibt ihre Liebe immer frisch.

Frische in der Liebe erhält sich zudem durch ein ausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz. So sagt das Fischweib bald zum Fischers Fritz: „Auch wenn der Fisch noch nicht komplett gegessen ist, solltest du den Fisch machen, denn der Gast und der Fisch stinken am dritten Tag.“

Fischers Fritz kontert: „Ach, halt die Kiemen, du Fischweib, du nach Bratfisch stinkende Rollmopsin! Du redest doch bloß deswegen so daher, weil der Autor des Textes will, dass das Wort Fisch möglichst oft vorkommt. Fisch! Fisch! Fisch! Fisch! Fisch!“

Angepisst bzw. angefischt reist Fischers Fritz nach Heringsdorf. In Heringsdorf stört der Stör den Barsch im barschen Ton, weil dieser mit dem Thunfisch bloß dem Nichtstun frönt und höchstens mal mit dem Kabel-jau-chzt.

Ein Hai schwimmt vorbei und sagt: „Hi!“ Und die Makrele krakeelt, dass die Sardine von nun an Sabine genannt werden will. Die Sabine wird in die Sabinenbüchse gestopft, dieser Text ist abgefischt und ich gehe nun ins Badezimmer – Silberfische jagen.

18. Dezember 2013

Busfahrer



Neuerdings arbeite ich als Busfahrer. Und weil ich neu bin, werde ich auf öden Routen in Außenbezirken eingesetzt, in denen ich mich nicht auskenne. Einer hinter mir sitzenden Person werfe ich deshalb einen Stadtplan zu und sage: „Du suchst den Weg. Und ich fahre.“

An einer Kreuzung dann habe ich mir heute eingebildet, dass direkt vor meinem Bus Cindy aus Marzahn über die Straße geht. Vor Aufregung habe ich das Fahrzeug versehentlich in eine Ansammlung von Marktständen gelenkt, in deren Mitte eine musizierende Altkleiderfamilie stand. Der soziale Abstieg treibt Eltern dazu, sich mit ihren Kindern auf öffentliche Plätze zu stellen und zu musizieren.

Die Familie hat das Durcheinander genutzt, um möglichst viel herumkullerndes Obst und Gemüse in ihre Gitarrenkoffer und Geigenkästen zu packen und zudem meinen Bus zu klauen.

Den Job als Busfahrer bin ich fristlos los und bin wieder Poet. Und es geht weiter in den Dispo anstatt in die Disco. Und statt einer fettigen Busfahrerfrisur trag ich wieder Stoppeln nur.

12. Dezember 2013

Grau

Elefant.

8. Dezember 2013

Nachtclubverbot



Im Badezimmerradio folgen die Nachrichten. Eine der Meldungen handelt vom Nachtflugverbot am neuen Berliner Flughafen. Weil die Akustik aber durch die Klospülung verrauscht ist, verstehe ich nicht Nachtflugverbot, sondern Nachtclubverbot.

Wieso möchte denn da wer keinen Nachtclub am Flughafen? Wenn jemand den letzten Flug verpasst hat, wäre es doch praktisch, die Zeit bis zur nächsten Reisemöglichkeit mit dem Besuch eines Nachtclubs zu überbrücken.


Nach dem Frühstück rufe ich im Rathaus der Gemeinde Schönefeld an und die für Kultureinrichtungen zuständige Mitarbeiterin erklärt mir, dass in ihrer Gemeinde keine Nachtclubs geplant seien.

„Dann wird es aber Zeit, dass da mal jemand was plant!“ sage ich. „Marktlücken gehören gestopft!“ Spontan entschließe ich mich, demnächst am Flughafen einen Nachtclub zu eröffnen.

Ohne dass ich meiner Absicht schon hätte Taten folgen lassen, demonstrieren bald aufgebrachte Bewohner gegen meine Pläne. Eine Reporterin, die von der Demo berichtet, verfehlt das Thema und berichtet nicht, dass ein Nachtclubverbot gefordert wird, sondern ein Nacktflugverbot.

Nacktflugverbot? – Darüber regt sich nun aber eine Gruppe schwedischer Feministinnen auf. Die Frauen fliegen nach Berlin und steigen nackig aus dem Flugzeug und posieren auf der Gangway für die Fotografen.

Ein Sprecher von Scandinavian Airlines gibt bekannt, dass seine Fluggesellschaft darüber nachdenkt, einen Naked Friday einzuführen, an dem es auf ausgewählten Strecken erlaubt sein soll, unbekleidet an Bord zu gehen.

Das Rad der Zeitgeschichte entfernt sich zunehmend vom Ausgangspunkt der Story und in mir verblasst das Interesse an meinem Nachtclub. Ich wollte doch nur ein bisschen tanzen.

30. Oktober 2013

Frankfurt (Oder)

Früher wurde annektiert, einfach einmarschiert oder Krieg geführt. Heute wird das Herrschaftsgebiet anders erweitert; die Vorgänge nennen sich Wiedervereinigung, EU-Beitritt oder Länderfusion.

Statt die Bundesländer Berlin und Brandenburg zu fusionieren, könnte Brandenburg aber auch gevierteilt werden: Der einwohnerstarke Speckgürtel um Berlin wird dem Land Berlin einverleibt und der Rest zwischen Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen aufgeteilt.


Im dahinscheidenden Land Brandenburg allerdings muss mit Widerstand gerechnet werden. Der hartnäckigste Widerstand wird sich in Frankfurt (Oder) formieren. Statt sich zu entscheiden, ob sie von nun an zu Meckpomm oder zu Sachsen gehören wollen, erklären sich die Oderaner für unabhängig.

Unstimmigkeiten allerdings herrschen noch bei der Staatsform. Manche möchten eine Räterepublik installieren, andere wünschen sich anstelle einer Republik eine parlamentarische Monarchie und bieten Prinzessin Stéphanie von Monaco die Königinnenwürde an. Und dann gibt es noch ein Häuflein Nazis, das von einem Groß-Frankfurt phantasiert und polnische Gebiete auf der Ostseite der Oder heim ins Reich holen will.

Die provisorische Regierung Frankfurts residiert im Oderturm, einem 25-stöckigen Bürohochhaus, dem bislang einzigen Gebäude, das zur Skyline der Stadt zählt. An einem verregneten Montagvormittag evakuiert die Polizei das Gebäude, weil in der Psychiatrie des Klinikums Frankfurt (Oder) ein Patient eingeliefert wurde, der sich Justin Jihad nennt und behauptet, der Oderturm würde bald von einem von Selbstmordattentätern entführten Flugzeug platt gemacht.

Statt eines Selbstmordattentäters landet jedoch Helmut Kohl mit einem Hubschrauber auf dem Oderturm und verspricht der zusammengelaufenen Menge blühende Landschaften. Die im Bahnhof von Frankfurt (Oder) einen Double Whopper essende Prinzessin Stéphanie von Monaco ist über Helmut Kohls Auftritt empört und krönt sich spontan selbst zur Königin – mit einer Pappkrone von Burger King. Und zur Nationalhymne erklärt wird der Song Irresistible, ein Hit aus Stéphanies kurzlebiger Musikkarriere in der 80ern.

20. Oktober 2013

Die Sonnenblumen sind tot.



Rietzneuendorf-Friedrichshof

19. Oktober 2013

9. Oktober 2013

Pilze sammeln



Der neue Retro-Trend im Herbst 2013 heißt Pilze sammeln. Dagegen ist Urban Gardening voll yesterday! Während die einen immer noch an ihrem Beet aufm Tempelhofer Feld rumzupfen, wollen andere längst das wahre Zurück-zur-Natur-Feeling und stromern durch die Wälder Brandenburgs. Aber Vorsicht! Eine Sprecherin des Kreiskrankenhauses in Beeskow, Landkreis Oder-Spree, erklärte, dass heute der erste Neuköllner Hipster mit einer Pilzvergiftung bei ihnen eingeliefert wurde. Und meine Mutter hat versehentlich einen das Bewusstsein erweiternden Drogenpilz gegessen und tanzt seit Tagen im Berghain.

28. September 2013

Krummer Wald



Gryfino

19. September 2013

Lieber einen Wal im Aquarium als eine Wahl im Lokal



Was soll ich bei der Wahl? Wenn ich was wähle, dann möchte ich zwischen guten Optionen wählen und nicht zwischen Scheiße, Kacke, Exkrementen und Fäkalien.

Ich erwäge, den Haribo-Wahl-O-Maten zu befragen: Mit verschlossenen Augen eine Tüte Haribo Goldbären bis auf den letzten Bären aufessen, der Farbe des letzten Bären eine politische Partei zuordnen und diese Partei angekreuzt und fertig.

Ich erreiche das Wahllokal. Das Wahllokal ist im sonstigen Leben eine Kita und an den Wänden im Flur sehe ich Marienkäfer über Marienkäfer. Mehr Marienbildnisse gibt es nicht einmal im Vatikan. Marienkäfer würden Christdemokraten wählen.

Und Kühe würden Künast wählen, wenn sie könnten.

Und Störche würden gar nicht wählen, weil sie im September längst auf dem Weg in den Süden sind.

Ich flüchte mich nach nebenan in einen Spätkauf. Mit zugekniffenen Augen stehe ich vorm Kühlschrank und erwische ein Beck’s Gold. Gelbe Farbe. Soll ich also die FDP wählen? – Danach trinke ich ein normales Beck’s. Grüne Flasche. Eine Schokolade aus der Ritter Sport-Kollektion wandert in meinen Mund. Geschmacksrichtung Marzipan. Die Verpackung ist rot. Bin ich jetzt auf SPD oder SED oder PDS oder Die Linke? – Ich sehe schwarz.

Nach kurzer Bewusstlosigkeit kommt ein Nachbar in den Laden, der auch nicht weiß, was er wählen soll. Aber er weiß, wo eine Wahlparty steigt. Fragt mich nicht, von welcher Partei die Party ist. Ich kann nur sagen, dass die Getränke umsonst sind und dass ich mit einem bärtigen Nachwuchspolitiker nach Hause gehe.

Ich liebe Wahlen! – Aber was spielt es für eine Rolle, wer am Ende gewinnt! Schwarz, gelb, grün, rot, dunkelrot. Die versprechen doch alle dasselbe: Mehr Reichtum! Mehr Frieden! Mehr Bildung! Mehr Schönheit! – Weiter so.

14. September 2013

Die FDP-Version von Modern Talking



You can win if you want!

15. August 2013

Mann mit Ohren



Chemiewerk Rüdersdorf

26. Mai 2013

Der Mietpreis ist eine Bierflaschenrechnung



Der Mietpreis richtet sich nicht bloß nach dem Standard einer Wohnung, sondern auch nach dem Standort. Folglich kann eine vergleichbare Wohnung in Ort A billiger bzw. teurer sein als in B. Das ist wie mit einer Flasche Bier: Bei Kaiser’s kostet eine 0,33-l-Flasche Beck’s mehr als bei Netto; im Spätkauf oder an der Tanke ist die Flasche noch teurer und im Restaurant oder im einem Club sowieso. Idealerweise hast du die Wahl, wo du dein Bier trinkst. Aber was ist, wenn dein Vermieter ankündigt, dich auf Edelpuff heraufzustufen, die Butze allerdings nach wie vor aussieht wie Aldi und du dir äußerstenfalls REWE leisten kannst?

23. Mai 2013

10. Mai 2013

Frühling lässt seinen blauen Sessel...



Frühling lässt seinen blauen Sessel wieder stellen auf die Wiese!

6. Mai 2013

Theater der Freundschaft



Die Dramaturgie der Zeit hat die Freundschaft hier wohl ein wenig in die Jahre kommen lassen.

Nauen

5. Mai 2013

KUCHENVISION



Es ist Sonntag und ich habe eine Kuchenvision!

Friedrichshain, Frankfurter Allee

19. April 2013

Uckermark Airlines



Uckermark Airlines fliegt sie bequem nach Prenzlau, Schwedt, Angermünde und in andere nordostbrandenburgische Metropolen!

11. April 2013

Dein Radweg küsst dich!



Kreuzberg, Hallesches Tor

8. April 2013

Margaret Thatcher

Bin auf den Tag genau 50 Jahre nach Margaret Thatcher geboren und frage mich nun angesichts ihres Ablebens, ob ich auch auf den Tag genau 50 Jahre nach ihr sterben werde? Einen Gin Tonic später bin ich jedoch der Ansicht, ich sollte mit Prognosen warten bis zum Tode Nana Mouskouris, denn die alte Hipsterbrille wurde ebenfalls an einem 13. Oktober geboren. Und „Weiße Rosen aus Athen“ sind mir zur Beerdigung lieber als eine konservative Betonfrisur, die mit ihrer Handtasche auf meinen Sarg eindrischt und krakeelt: „I want my money back!“.

Wessi go home



In einem Wald bei Philadelphia, einem brandenburgischen Dorf im Landkreis Oder-Spree, ist die Wessi-Feindlichkeit auch im Jahr 2013 noch tief verwurzelt.

7. April 2013

Beckers Bäckerei backt backend Backwaren



Sonst noch im Angebot: Schneiders Schneiderei, Webers Weberei und Bauers Bauernhof sowie Schiffers Schifffahrtsgesellschaft und Schreibers Schreibwarengeschäft. Und fast schon zu kreativ: Fischers Anglerbedarf und Fleischers Metzgerei.

4. April 2013

Warschauer Straße



In Berlin wird überall gespart: Auf den neuen Straßenschildern in der Warschauer Straße wurde ein Buchstabe weggelassen und die Straße heißt nun bloß noch Warchauer Straße.

1. April 2013

Horst Zahn



Hieße ich Horst Zahn, wäre ich nicht Facharzt für Allgemeinmedizin, sondern Zahnarzt!

31. März 2013

Doris Puder



Doris Puder, Friseur seit 1895 in Wusterwitz, ist die deutlich ältere Schwägerin von Hannelore Knopf, Schneiderin in Cahnsdorf. Und im Jahr 1895 war es wohl noch nicht üblich, Berufsbezeichnungen zu gendern.

28. März 2013

Basteltipp

Wie sich aus Flaggen homofeindlicher Gebiete ganz einfach eines dieser Gleichheitszeichen basteln lässt, die jetzt zur Unterstützung der Eheöffnung für Lesben und Schwule zahlreich auf Facebook kursieren. Nehmen Sie z.B. die Flagge der Türkischen Republik Nordzypern (der einzige Landstrich in Europa, wo Homosexualität noch verboten ist), kehren Sie die Farben um (Ketchup wird Majo, Majo wird Ketchup), dann entfernen Sie noch die beiden Zeichen in der Mitte und tünchen mit einem Textmarker die weißen Streifen rosa. Ebenso simpel geht es mit der polnischen Flagge: ein bisschen Geschnippel mit der Schere, dann wieder Textmarker und fertig!



UPDATE
Wohl um das Zerschneiden weiterer Flaggen zu verhindern, hat das Parlament Nordzyperns am 27.01.2014 Homosexualität entkriminalisiert.

23. März 2013

Die Krise als Chance?

Die Seniorin Inge Bröckelmann aus Rheda-Wiedenbrück hat Angst. Sie befürchtet, dass ihre Ersparnisse bald nach Zypern zwangstransferiert werden. Bröckelmanns Nachbarin Ursula Niewöhner habe bereits freiwillig die Patenschaft für eine Familie aus Nikosia übernommen. Und die Nikosianer hätten ein Foto des neuen Autos geschickt, das sie sich dank des Niewöhnerschen Geldes leisten konnten. „Aber die Ulla regt sich noch nicht einmal darüber auf!“ echauffiert sich Inge Bröckelmann. Habe doch der Sohn der Niewöhners durch den Kontakt nach Zypern ebendort endlich wieder einen Job als PR-Stratege gefunden. Er berät die Protestbewegung des Inselstaates und versucht, den Demonstranten nahezubringen, dass Nazi-Flaggen auf Transparenten ein No-Go sind. Niewöhners Alternativvorschläge: vorm Parlamentsgebäude Bunderkanzlerinnenvoodoopuppen aufspießen und alle zyprischen Transen laufen als Merkel-Lookalikes auf.

22. März 2013

Mahagoni

In der Tagesschau läuft Angela Merkel mit einer mahagonifarbenen Handtasche durchs Regierungsviertel und ich frage mich, was in der Tasche ist: Ein paar Butterbrote für die Pause, ein Zypern-Reiseführer (zum aufm Klo lesen) oder gar ein Nachthemd, falls die Rettung des Euros mal wieder länger dauert und sie anderswo nächtigen muss?

11. März 2013

Beige



Im Alter trägt mensch in Deutschland nur noch zwei Farben: schwarz bei Beerdigungen und die übrige Zeit beige. Allerdings ist kaum ein Rentner emanzipiert genug, die Farbe beige auch als beige zu definieren. Die Modeindustrie hat diese Problematik erkannt und wählt für Beigetöne Namen wie Elfenbein, bastfarben, Cappuccino, Milchkaffee, Creme, Irish Cream, Wiener Melange, Latte macchiato, Caffé latte oder Café au lait.

Oder neulich bei C&A. Meint die eine Seniorin zur anderen: „Du, soll ich die Jacke lieber in Wüstensand oder in Sanddüne nehmen?“

Aufgrund ihrer sanddünenen Farbgebung bekommt eine Seniorin, die häufig ihre Sexualpartner wechselt, gern den Spitznamen Wanderdüne verpasst.

Dass hierzulande sowohl Taxis als auch Senioren beige sind, ist ein Widerspruch: Taxis sind schnell, Senioren nicht.

Da auch Pasta größtenteils in beige gehalten ist, bezeichnen Italiener schlanke ältere Deutsche als Spaghetti, eine dicke ältere Deutsche als Fettuccine.

Und beigefarbene Kondome heißen in Italien Cannelloni.

Und Harald Glööckler hat Tangaslips entworfen, deren Farbe er nicht beige nennt, sondern Eierschale.

Als verdorrtes Steppengras umschreibt es der Poet. Auf Naturfarben tauft es der Jute-Freak. Und zum Gold der Prärie krönt es der Fremdenverkehrsverband von Nebraska. Doch beige bleibt beige.

Und beige ist die inoffizielle Farbe der CDU, deren Wahlprogramm wie ein unzählige Male wiedergekäuter Schokoriegel schmeckt.

In Irland hingegen schmeckt konservative Politik wie Baileys. Baileys ist beige mit Alkohol. Champagner ist auch beige mit Alkohol und noch mit blubbernden Bläschen dazu. In Frankreich trinken alle Politiker Champagner. Die Grünen jedoch nur, wenn er aus ökologischem Landbau stammt.

24. Februar 2013

23. Februar 2013

WEAR DICH



Bekloppter Name von Klamottengeschäft in Dessau:
Wenn sich niemand dagegen wehrt, wird der Name ewig währen.

18. Februar 2013

Warte bis der Hase sich selbst erschießt



Liebe Eltern, aus mir ist doch noch was geworden: Ich habe denselben akademischen Grad wie Annette Schavan, eine Frau, die immerhin einmal Bundesbildungsministerin war. Wie Annette Schavan könnte also auch ich Fördermittel an Bildungseinrichtungen verteilen.

Oder ich könnte der nächste Papst werden – bin ich es doch gewohnt, einem Publikum Geschichten über Fantasiegestalten vorzusetzen.

Flughäfen bauen kann ich ebenfalls – zumindest solche, von denen niemand erwartet, dass sie je eröffnet werden. Meine Person ist untrennbar verbunden mit den internationalen Großflughäfen von Bad Pyrmont, Waldkraiburg und Hoyerswerda.

Und wo wir gerade von Verkehrsprojekten sprechen, möchte ich noch mein Engagement in der Bahnpolitik erwähnen. Bei all dem Rummel um den Bahnhofsumbau in Stuttgart wird gern übersehen, dass ich in anderen Städten bereits verhindern konnte, dass Kopfbahnhöfe in Durchgangsbahnhöfe umgewandelt werden: in Wilhelmshaven, Cuxhaven, Kiel und Warnemünde.

Ich habe den Eurovision Song Contest genauso oft gewonnen wie Tina Turner, Cher, Madonna, Kylie Minogue und Britney Spears.

Und in der Siegerliste der Tour de France taucht mein Name ebenso häufig auf wie der von Lance Armstrong. Ich habe dies mit Alltags- und Freizeitradeln in Berlin und Brandenburg erreicht, ohne Bergwertungen, ohne nach Schweiß stinkende Trikots und ohne Dopingmittel.

Meine Amtszeit als König von England ist bisher exakt so lang wie die von Prince Charles.

Und was vielleicht nicht alle von euch wussten: Ich habe genauso viele Kinder geboren wie Angela Merkel. Den Fortbestand der Menschheit sichernde Maßnahmen sind mir wichtig. Deswegen schlafe ich gern mit Gynäkologen und mein Schlafzimmer ist rund und ich nenne es nicht Schlafzimmer, sondern Kreissaal.

Lebensleistungen sollten nicht allzu sehr in den Himmel gehoben werden. So spreche ich zum Beispiel selten darüber, dass ich seit Februar 2012 ebenso viel Macht besitze wie Christian Wulff.

Ich habe in meinem bisherigen Leben in etwa genauso viel geschissen wie David Beckham oder Robbie Williams. Wir drei sind Männer, die seit Mitte der 70er nahezu täglich Kot absondern.

Und 1989 habe ich die Mauer eingerissen – zwischen meinem Zimmer und dem Wohnzimmer, damit ich einen von Steinen und Mörtel befreiten Blick auf den Westfernseher hatte.

Später habe ich das Konzept von Frauentausch entwickelt. Eigentlich wollte ich bloß meine Mitbewohnerin loswerden, aber sind nicht die meisten der genialsten Erfindungen eher beiläufig geschehen?!

Liebe Eltern, aus mir ist doch noch was geworden. Ich kann alles, ohne alles dafür zu tun. Mein Wappentier ist der Igel und mein Motto lautet: Warte bis der Hase sich selbst erschießt.

13. Februar 2013

Volksbuchhandlung



Falls jemand in Treuenbrietzen (Landkreis Potsdam-Mittelmark) den real existierenden Sozialismus wiederbeleben möchte: Die örtliche Volksbuchhandlung steht leer und wartet auf Neubeplanwirtschaftung!

9. Februar 2013

POET



Schöneweide, Bärenquell-Brauerei

2. Februar 2013

Mülleimerschneemann



Friedrichshain, Warschauer Straße

28. Januar 2013

Jugend forscht



Unser Vater arbeitete als Schwimmmeister im städtischen Hallenbad und unsere Familie wohnte in der schwimmmeisterlichen Dienstwohnung.

An meinem 12. Geburtstag dann hielten mein Bruder und meine Schwester mich für alt genug, um mich in ihr großes Geheimnis einzuweihen. Sie zerrten mich in ihr Zimmer und schlossen die Tür ab. Mein Bruder führte in ein winziges Loch in der Wand eine Minikamera ein und verband die Kamera mit seinem Computer. Und auf dem Bildschirm schauten wir uns die Live-Übertragung der Ereignisse aus dem Raum jenseits der Wand an.

Da es sich bei dem Raum jenseits der Wand um die zum Hallenbad gehörende Sauna handelte, sahen wir nackte Menschen. Menschinnen, um genau zu sein, denn es war Frauentag. „Überall nackte Möpse!“ frohlockte meine Schwester. „Und die unrasierte Möse da vorne, das ist meine Mathelehrerin.“

Meines Bruders Hand verschwand in seiner Hose und er begann, mit seinem Schwanz zu spielen. Und meine Schwester begann, mit ihrer Muschi zu spielen. Und ich? Ich saß unbewegt zwischen den Onanierenden.

„Tom, weißt du nicht, was Wichsen ist?“ fragte mein Bruder.
„Vielleicht ist er doch noch zu jung“, überlegte meine Schwester.
„Ich bin überhaupt nicht zu jung“, stieß ich hervor. „Ich weiß bloß nicht, was ich an nackten Möpsen und Mösen finden soll.“
„Ach, so ist das“, erwiderte meine Schwester. „Wenn du nicht auf Möpse und Mösen stehst, musst du morgen wiederkommen. Dann ist Herrensauna.“

Vom folgenden Tag an war ich recht häufig im Zimmer meiner Geschwister anzutreffen und unsere Eltern freute es, dass sich die Kinder so gut miteinander verstanden.

Als ich 14 war, änderte sich die Wohnsituation. Mein Bruder verbrachte ein Jahr in Frankreich. Und meine Schwester zog mit der bereits erwähnten Mathelehrerin nach Köln.

Wenn Herrensauna war, lud ich jetzt meist die beiden anderen Schwulen aus meiner Jahrgangsstufe ein. Und die beiden anderen brachten bald noch weitere Jungs mit, die wiederum beim nächsten Mal ebenfalls weitere Gäste anschleppten.

Ich hätte ahnen müssen, dass ein Geheimnis, wenn es mit zu vielen Leuten geteilt wird, nicht mehr lange ein Geheimnis bleibt. Eines Tages klingelte die Polizei an der Wohnungstür und die Beamten nahmen meinem Computer und die Minikamera mit.

Meine Eltern wollten wissen, was ich mir denn bei einem solch voyeuristischen Verhalten nur gedacht hätte. Anstatt einer reflektierenden Antwort sagte ich lediglich, dass ich denke, dass ich mir in Zukunft zum Wichsen wohl gewisse Zeitschriften werde kaufen müssen. Woraufhin mir mein Vater einen Fuffi hinwarf und die Wohnung in Richtung Schwimmbad verließ. Im Schwimmbad dann erfuhr mein Vater, dass er vom Dienst suspendiert ist.

In der lokalen Presse wurde über den schwulen Spanner-Sohn des Schwimmmeisters ausgiebig berichtet. Die Beziehung meiner Schwester zu ihrer ehemaligen Mathelehrerin wurde ebenfalls ins Rampenlicht gezerrt. Ein angeblich existierendes Foto, auf dem mein gelenkiger Bruder es sich selbst französisch macht, wurde hingegen nicht veröffentlicht. Jene Aufnahme allerdings, auf der mein Vater mit einer Mitarbeiterin unter der Dusche knutscht, wurde abgedruckt. Was dazu führte, dass meine Mutter ihre Koffer packte und mit dem Familienauto davonfuhr.

Mein Vater verlor seine Stelle und wir mussten aus der Dienstwohnung raus und zogen nach Köln zu meiner Schwester und ihrer Mathelehrerin.

19. Januar 2013

Topmodel



Neuruppin

12. Januar 2013

MARS



Mars im Sternenbild des Galaxy Shopping Centers in Stettin

3. Dezember 2012

Unsere Väter

Hakans Vater erklärt meinem Vater: „Wenn unsere Söhne miteinander Sex haben, übernimmt mein Sohn selbstverständlich den aktiven Part. Und wer fickt, ist auch nicht schwul! Nur der, der gefickt wird, ist eine Schwuchtel.“

Daraufhin mein Vater: „Wollen Sie damit etwa sagen, mein Sohn hielte Ihrem Sohn sein Arschloch hin? Das kann überhaupt nicht sein! Mein Sohn hat in seiner Kindheit Fußball gespielt. Und ein Fußballer lässt sich nicht ficken!“

„Fußballer? Dass ich nicht lache! Ihr Sohn, die verweichlichte Rosette, nimmt an Dichterwettbewerben teil!“

„Und Ihr Sohn zwingt meinen Sohn dazu, sich den Eurovision Song Contest anzugucken!“

Hakan schiebt unsere Väter aus der Wohnung und empfiehlt: „Kühlt euch ab und kommt erst wieder, wenn ihr euch geeinigt habt, welcher von euren Söhnen denn nun welchen fickt.“

Nach drei Stunden kehren unsere Väter als dicke Kumpels zurück. Sie hätten mit Hilfe von Hakans Vaters Handy ganz viel Online-Recherche betrieben, erzählt mein Vater. „Und wisst ihr was“, sagt er, „wenn ihr beiden Jungs euch verpartnert und dann einer von euch stirbt, dann ist der andere berechtigt und verpflichtet, für die Bestattung des verstorbenen Lebenspartners zu sorgen.“

19. November 2012

Aktiv im Alter



Meine Mutter hat sich ein E-Bike gekauft. Ein E-Bike könnte von Weitem für ein gewöhnliches Fahrrad gehalten werden. Der Betrachter soll denken: „Ach, die ältere Dame ist aber noch fit, wenn sie so zügig den Hang hinaufradeln kann.“

Ein Fahrrad allein reicht vielen Senioren nicht aus, um Sportlichkeit zu demonstrieren. Sie wollen sich auch sportiv kleiden. Die Zahl alter Männer in engen Radlerhosen steigt stetig an. Und immer wieder sehe ich Outdoorjacken! Zum Supermarkt um die Ecke zu gehen, gilt für manchen Jack Wolfskin schon als Outdoortrip. Und für den Sonntagsspaziergang wird sich gerüstet wie für eine Polarexpedition!

Wer im Alter nicht gern Rad fährt, kann es mit Nordic Walking probieren. Eine Gruppe fideler Stöcker-Hildegards trifft sich z. B. immer dienstags im Volkspark Friedrichshain. Und donnerstags trainiert in meinem Schwimmbad ein Seniorenwasserballteam namens „The Inkontinentals“.

Und im Fitnessstudio meines Mitbewohners wird neuerdings Katasana angeboten, ein physiodynamischer Gesundheitssport. Katasana klingt ähnlich wie Catsan, das Katzenstreu. Bei Katasana wird vermutlich vorher Catsan auf den Boden gestreut, für den Fall, dass eine Kursteilnehmerin sich beim Turnen urinierend verhält.

Meine Mutter tituliert mich neuerdings als gerontophob. Und ich frage mich, woher sie solche Begriffe kennt. Als ich ihr vorgeworfen habe, xenophob zu sein, hat sie Wörter, die auf -phob enden, noch nicht verstanden.

Meine Mutter hat für ihre Tante Anneliese eine Pflege-unterstützende Haushilfe aus Osteuropa engagiert hat. Den Begriff „Pflege-unterstützende Haushilfe aus Osteuropa“ habe ich einer Broschüre entnommen. Meine Mutter nennt Tante Annelieses Haushilfe schlicht „die Polin“.

Wer als Seniorin noch auf aktiv im Alter machen kann, lebt nach dem Grundsatz: Noch bin ich ohne die Polin nicht verloren.

29. Oktober 2012

Bügeleisen



Meine Mutter fordert, dass ich sie am Wochenende besuche, aber dann heiratet bereits Hakans Cousine.

„Was hast du denn damit zu tun, wenn Hakans Cousine heiratet?“ wundert sich meine Mutter. „Die Türken stehen doch nicht so auf Homos!“

Ich entgegne, dass Hakans Cousine Dilek bis zu ihrer Geschlechtsangleichung Murat hieß und ihre Braut eine vollbusige schwedische Blondine sei.

„Nichtsdestotrotz kannst du da aber nicht mit ungebügeltem Hemd hingehen“, ermahnt mich meine Mutter. Und zwei Tage später erhalte ich von ihr ein Paket mit einem weißen Hemd und einem Bügeleisen drin.

Das weiße Hemd wasche ich zusammen mit meiner neuen roten Jogginghose, wonach mir das Hemd farblich schon viel besser gefällt. Aber was soll ich mit dem Bügeleisen?

Ein Bügeleisen benötige ich genauso wenig wie den Fön, den mir meine Mutter schon geschenkt hat. Und es hat eine Weile gedauert bis ich den Fön dennoch in meinen Alltag integrieren konnte. Inzwischen nehme ich ihn, um zum Backen die Butter schneller weich zu bekommen.

Und ausgelöst dadurch, dass die 3-jährige Tochter einer Freundin ihre Wachsmalstifte bei mir vergessen hat, beginne ich, auch mit dem Bügeleisen zu experimentieren. Ich stelle das Eisen an, schmiere ein wenig Wachsmalfarbe drauf und male nun in Minutenschnelle Landschaften. Mal in den Bergen, mal in der Tiefebene gelegen. Oder am Meer. Oder Mondlandschaften. Und als Hochzeitsgeschenk für Dilek und ihre schwedische Blondine erschaffe ich ein Triptychon: Auf das mittlere Bild modelliere ich die Silhouette von Berlin und links bzw. rechts davon lasse ich Stockholm und Istanbul entstehen.

Nach kurzer Zeit nur finde ich Bügeleisen so dermaßen toll, dass ich mir ein zweites zulege: ein Reisebügeleisen. Für einen Campingtrip durch England. Wenn ich morgens aus dem Zelt krieche und Hunger auf ein Full English Breakfast verspüre, stecke ich im Waschraum das Bügeleisen in eine Steckdose. Ein bisschen Öl zum Brutzeln bringen, dann ein paar Streifen Speck draufgelegt und noch welche von diesen kleinen Würstchen. Und zuletzt ein Ei drauf braten.

Und wer es jetzt eher vegetarisch mag, dem sei gesagt: Tofu kann das Bügeleisen auch!