1. Februar 2016

TiM



Gent

30. Januar 2016

20. Januar 2016

Neues Ablaufdatum: Lebenslang

Wenn mir WhatsApp den Account lebenslänglich verlängert, bezieht sich das dann auf mein Leben oder auf das von WhatsApp?

Oder handelt es sich gar um einen Battle – darum, wer zuerst aufgibt?

Und steht in Ländern, in denen ein Lebenslänglich nicht existiert, dann als Ablaufdatum: Todesstrafe?

Mehr zum Thema unter:
Neue Osnabrücker Zeitung - Verwirrung bei WhatsApp

15. Januar 2016

Beim Barte des Schwimmers

Die Stadt Bornheim in Nordrhein-Westfalen verbietet männlichen Flüchtlingen den Zugang zum städtischen Hallenbad? Häh? Bin ganz spontan hingefahren, aber nicht reingekommen, weil mein Bart als zu muslimisch und mein Handtuch als Gebetsteppich eingestuft wurde.

Mehr zum Thema unter:
Spiegel Online - Schwimmbad-Verbot für männliche Flüchtlinge

14. Januar 2016

Machu Picchu



„Dein Vater ist aufm Machu Picchu!“ kräht meine Mutter durchs Telefon. „Und den Schambereich seiner Freundin nennt er Mekong-Delta.“

Mein Vater nennt den Schambereich seiner Freundin Mekong-Delta? Mir hat er erzählt Marianengraben. Weil die Freundin doch Marianne Grabner heißt.

„Dein Vater bringt mit seinen Fernreisen noch dein ganzes Erbe durch!“ fährt meine Mutter fort. „Peru! Bolivien! Kambodscha! Laos! Vietnam! Was will der denn da? Und das in seinem Alter!“

Nachdem mein Vater zurückgekehrt ist vom Machu Picchu, ruft er mich an und schnaubt: „Deine Mutter ist in Tirol! Und macht dort einen Seidenmalkurs. Warum will die denn nicht lieber was erleben? In ihrem Alter! Bald ist sie tot, aber sie verschwendet die Zeit, die ihr noch bleibt, mit Seidenmalerei in Tirol!“

Die Bilder meiner Mutter tragen Titel wie Alpenglühen bei Kitzbühel, Morgentau bei Kufstein oder Wandersrast im Zillertal.

„Du, Papa“, frage ich, „wie hast du eigentlich damals Mamas Schambereich genannt?“

„Gletscherspalte.“

Ich frage nicht, welchen Kosenamen meine Mutter dem Pimmel meines Vaters gegeben hat, denn den Namen kenne ich bereits: Lockenstab. Vor lauter Locken ist kaum der Stab zu sehen.

Zum Geburtstag schickt mir meine Mutter eine ihrer Seidenmalereien. Selbstbildnis am Großglockner. „Große Glocken?“ meint eine Freundin. „Steh ich drauf!“ Und ich überlasse ihr das Bild und dazu noch Mutters Telefonnummer.

„Du, Tom, sag mal“, schreibt mir meine Mutter tags drauf eine SMS. „Diese Freundin, der du meine Telefonnummer gegeben hast, ist die vielleicht ein warmer Bruder?“

Ich antworte: „Sie ist so warm, dass sie eine Gletscherspalte in einen Vulkan verwandeln kann.“

Daraufhin höre ich monatelang nichts von meiner Mutter. Von der Freundin auch nicht.

Nachdem mein Vater von einer Reise nach Madagaskar zurückgekehrt ist, ruft er mich an und berichtet: „Deine Mutter ist in Venedig, zusammen mit einer lesbischen Freundin von dir. Diese Freundin nennt den Schambereich deiner Mutter Lagune der Lust.“

Ich beende das Telefonat. Meine Eltern sind mir peinlich. Lagune der Lust! Mekong-Delta! Lockenstab! Ich nenne meinen Penis einfach bloß Schwanz und meine Brustwarzen heißen Eins und Zwei und meine Arschbacken A und B.

Mein Vater fände mich ziemlich langweilig, raunt mir Vaters Freundin bei einer Familienfeier zu. Mein Vater dächte sogar daran, einen Vaterschaftstest zu machen, um festzustellen, ob meine Mutter nicht mit dem Postboten gepimpert hat oder ich bei der Geburt vertauscht wurde. „Mein Vater spinnt!“ erwidere ich. „Er ist definitiv mein Vater. Wir haben denselben Lockenstab.“

In der S-Bahn frage ich ein spießig aussehendes älteres Touristenpärchen, ob sie nicht meine Eltern sein wollen. Das Pärchen schaut mich erschreckt an. „Was würden denn unsere Nachbarn sagen“, jammern sie, „wenn wir von unserer Berlin-Reise einen schwulen Sohn mit nach Hause bringen?“

Traurig sitze ich an der Spree. Potentiellen Adoptiveltern bin ich zu schwul, den biologischen Eltern nicht schwul genug. So wünscht sich mein Vater, dass ich an RuPaul's Drag Race teilnehme, einer Art Germany's Next Topmodel für Nachwuchstravestiekünstlerinnen. Und meine Mutter reißt mir beim CSD das T-Shirt vom Leib. Sie hat die Phase mit der Seidenmalerei hinter sich gelassen und interessiert sich nun für Bodypainting.

Ich habe Eltern, die stets ohne Probleme ins Berghain kommen, während ich stets an der Tür abgewiesen werde. Und während ich mich schon schäme, unter der Dusche im Schwimmbad die Badehose auszuziehen, besitzen meine Eltern ein Bootshaus an einem See in Mecklenburg-Vorpommern, in der weltweit einzigen Bootshauskolonie, die ausschließlich von Nudisten bevölkert ist.

Zum 10-jährigen Jubiläum ihrer Scheidung haben uns meine Eltern in einen Swingerclub eingeladen. „Fickt euch!“ sage ich und mein Freund bucht uns stattdessen ein Wochenende auf Usedom.

23. Dezember 2015

19. Dezember 2015

Natürliche Schönheit kommt von außen



Hab mich im Château de Beauté für die Festtage aufmöbeln lassen: mehr Lippen, mehr Augen, weniger Nase und neue Haare. Jetzt kann Weihnachten kommen!

6. Dezember 2015

Terror in der Provinz

Eine E-Mail-Korrespondenz mit meiner Mutter, wohnhaft im Kalifat Ostwestfalen.


Meine Mutter schreibt:

Lieber Tom,
mache mir solche Sorgen um dich. Und Margit Depenbusch und Ingeborg Hülstorf haben sich auch schon nach dir erkundigt. Wie ergeht es dir denn momentan in Berlin? Leben die Menschen in Berlin in ebenso großer Terrorangst wie in Paris und Brüssel? Städte, in denen du bereits warst. Nicht auszudenken, was dir dort alles hätte zustoßen können!
Meld dich mal!
Viele Grüße
Deine Mutter


Ich antworte:

Liebste Mutter,
mache mir auch Sorgen um dich. Wie ergeht es dir denn momentan in Ostwestfalen? Hab gelesen, dass heute bei dir in der Nähe, in Rahden im Kreis Minden-Lübbecke, ein Terroreinsatz stattgefunden hat. Die Polizei ist einem Hinweis gefolgt, nach dem der international gesuchte Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris sich in Ostwestfalen aufhalten könnte. Im Visier standen eine Wohnung sowie ein Fahrzeug. Stundenlang waren mehrere Straßen abgeriegelt und im Laufe des Einsatzes wurden neun Menschen kontrolliert, darunter drei Kinder.
Lebt im Kreis Minden-Lübbecke nicht auch die Tochter von Margit Depenbusch? Hoffe, ihr ist nichts zugestoßen.
Bussi, Bussi!
Bis bald!
Dein Sohn


Meine Mutter lässt ein paar Tage verstreichen, ehe sie eine neue Nachricht verfasst:

Lieber Tom,
möchtest du eigentlich immer noch über Weihnachten an die Côte d'Azur fahren? Jetzt, wo es in Frankreich so gefährlich ist? Willst du über Weihnachten nicht doch lieber in deine westfälische Heimat kommen?


In meine westfälische Heimat? In meine westfälische Heimat, die sich im Fadenkreuz des Terrors befindet?
Hast du nicht gehört, was gestern in Beckum passiert ist? In Beckum im Kreis Warendorf hat eine Schülerin eine Brandgranate mit zum Unterricht gebracht und damit einen Einsatz des Kampfmittelräumdienstes ausgelöst. Und die Evakuierung des Gebäudes und die Absage eines Elternsprechtages verursacht.
Lebt in Beckum nicht auch der Sohn von Ingeborg Hülstorf? Hoffe, ihm ist nichts zugestoßen.


Meine Mutter schweigt für ein paar Wochen und meldet sich erst wieder an Heiligabend:

Lieber Tom,
ein frohes Weihnachtsfest wünsche ich dir. Hoffe, dir geht es gut in Frankreich. Bist du eigentlich allein dorthin gereist oder zusammen mit deinem Freund? Du solltest dich jedenfalls vor deinem Freund in Acht nehmen, weil er stammt doch aus Syrien. Vielleicht hat er Kontakt zum Islamischen Staat und will dich in die Luft sprengen.


Liebste Mutter,
mein Freund stammt nicht aus Syrien, sondern aus Zypern. Beide Ländernamen haben zwar sechs Buchstaben, von denen jeweils einer ein Y, einer ein R, einer ein E und einer ein N ist, ansonsten aber handelt es sich um zwei verschiedene Länder.
Und hast du schon gehört, dass die Tochter von Margit Depenbusch ihren Mann dazu zwingt, im Bett eine Burka zu tragen?

3. November 2015

Tod zweier Freibäder



Das BVG-Freibad in Berlin-Lichtenberg diente als Trainingsstätte für die Olympischen Spiele 1932 und 1936. Eine Wiederbelebung als Sommervolksbad erfolgte erst in den 70er Jahren. Seit Ende der 80er ist das Bad geschlossen.







Weiter östlich, in Kaulsdorf, befindet sich das Wernerbad, 1905 eröffnet als erstes Freibad Berlins und geschlossen seit 2002:



1. November 2015

Transitzonen

CDU und CSU möchten für neu ankommende Flüchtlinge Transitzonen einrichten, aus denen als unberechtigt eingestufte Asylbewerber sofort wieder abgeschoben werden sollen. Transitzone ist für dieses Vorhaben allerdings der falsche Begriff, denn Transitzone bedeutet Durchgangszone. Für das, was CDU und CSU beabsichtigen, existiert ein anderes Wort: Sackgasse.

25. Oktober 2015

Fliegerhorst Schönwalde



Im einem Wald nordwestlich von Berlin – zwischen Hennigsdorf, Bötzow und Schönwalde – versteckt sich ein ehemaliger Fliegerhorst, erbaut in den 1930er Jahren, bis Kriegsende genutzt von der deutschen Luftwaffe und von 1945 bis 1992 von der Sowjetarmee.







16. September 2015

Hollywood steht Kopf



Die Volksbühne stellt Hollywood auf den Kopf!

9. September 2015

Das explodierte Lama



Es war einmal in Westfalen. Im Westfalen meiner Kindheit waren ausländische Elemente gern gesehen in Form eines Eiscafés Venezia, einer Pizzeria Roma oder eines China-Restaurants Shanghai. Die Menschen fühlten sich weltgewandt, wenn sie einen Ouzo tranken oder eine ungarische Gulaschsuppe löffelten.

Und dann – 1989 – zogen Aliens in unsere Siedlung. Der Schilderung meiner Eltern nach musste es sich bei der Familie, die gerade drei Häuser weiter eingezogen war, um eine Klingonenfamilie handeln. Neugierig drückte ich mich nahe ihrer Terrasse herum und stellte fest, dass es sich nicht um Klingonen handelte, sondern um DDR-Bürger.

"Und unten an der Straßenecke, da lauern die Russen!" behauptete mein Vater. Ich konfrontierte ihn mit der Aussage von Peter, dem Sohn der Russen, der mir erklärt hatte, dass er zwar in der Sowjetunion geboren sei, seine Familie aber deutsche Vorfahren habe. Worauf mein Vater erwiderte, dass es – um nach Deutschland kommen zu können – doch schon ausreiche, mal einen Deutschen Schäferhund gehabt zu haben.

Wenn es bloß eines Schäferhundes bedarf, um sich in Deutschland niederlassen zu können, warum hat das dann bisher niemand den derzeit zu uns strömenden Flüchtlingen gesagt?

Vom Schäferhund schweife ich nun zu einem anderen Tier. Das andere Tier hieß Yvonne. Yvonne war die Tochter von Freunden meiner Eltern – ein Mädchen, welches gern eine weiße Kunstfelljacke trug, in der es aussah wie ein explodiertes Lama. Ich mochte die Jacke nicht. Yvonne ihrerseits mochte Abdul nicht, einen libanesischen Jungen aus unserer Kindergartengruppe. Auf einem Gruppenfoto hat Yvonne Abduls Gesicht mit einem schwarzen Filzstift übermalt.

Ihre Mutter war entsetzt. Aber nicht ganz so entsetzt wie an dem Tag, als ich es gewagt habe, Yvonne zu gestehen, dass ich ihre Jacke nicht mag.

Ohne Jacke – es ist Sommer – radele ich Jahrzehnte später als Stadtführer mit einer Gruppe neureicher Westfalen durch Kreuzberg. Im Görlitzer Park sehen wir viele türkische Familien beim Grillen. Ein Mann aus meiner Touristengruppe deutet auf die Grillenden und äußert, dass er die da gern mal grillen würde.

Der Mann will Menschen grillen? Ist dieser Westfale etwa vom Katholizismus zum Kannibalismus konvertiert?

Es ist an der Zeit, dass Bibi Blocksberg herbeifliegt und eine kleine Bühne in den Görlitzer Park zaubert; ich trete an das Mikrofon und rezitiere einen meiner Poetry Slam-Texte, der mit den Worten endet: “… und wenn du an deinem Hass nicht gestorben bist, so hasst du noch heute.”

19. August 2015

Bloß zwei Buchstaben von Brüssel entfernt



Eben noch irgendwo in Brandenburg und nun bloß noch zwei Buchstaben von Brüssel entfernt!

17. August 2015

Moos Street Art



Eine mir bislang nicht bekannte Variante von Street Art: Moos an Wände kleben!

16. August 2015

Es fährt kein Zug nach Nirgendwo



Spandau, ehem. S-Bahnhof Siemensstadt

23. Mai 2015

6. März 2015

Heidi auf Hawaii



Seit kurzem arbeite ich in der Filmbranche, als Assistent eines Assistenten. Es ist Vormittag, es ist viel Kaffee und es ist Meeting. Es wird diskutiert über eine zeitgemäße Neuverfilmung von Heidi.

Heidi soll auf Hawaii spielen. Des Alm-Öhis Hütte steht dann nicht mehr in den Schweizer Alpen, sondern auf einem hawaiianischen Vulkan. Tante Dete, eine Bitch, die lieber in Hollywood Karriere machen will, hat dem Alm-Öhi die kleine Heidi durch die Tür geschoben und nun sitzt der griesgrämige Alte da mit seiner energiegeladenen Enkelin, die unbedingt eine große Surferin werden will.

Und Ziegenpeter? – Auf Hawaii kümmert sich Ziegenpeter nicht um Ziegen, sondern er ist ein Surfkumpel von Heidi, der sich besonders gut mit Delfinen versteht. Delfinpeter sozusagen.

Im Meeting entbrennt ein Streit darüber, wie sich Klara und Fräulein Rottenmeier in die Neuverfilmung einbauen ließen. Anstatt sich auf eine Variante zu einigen, wird bald die Idee favourisiert, Heidi nicht auf Hawaii, sondern besser in Kalifornien – zum Beispiel in San Francisco – spielen zu lassen.

Und in San Francisco, einer der homofreundlichsten Städte der Welt, erlebt Heidi ihr lesbisches Coming-Out und verliebt sich in Klara. Klara stammt – im Gegensatz zum Original – nicht aus Frankfurt am Main, sondern aus einem Kaff namens Frankfort, Ohio. Dort hat sie es nicht mehr ausgehalten und ist nach San Francisco durchgebrannt. Ihr auf den Fersen ist Fräulein Rottenmeier, eine religiöse Fanatikerin, die glaubt, Klara von ihrer Homosexualität heilen zu können.

Und Ziegenpeter ist Heidis bester schwuler Freund und mangels Ziegen widmet sich Ziegenpeter stattdessen homosexuellen Männern, aber nur solchen, die einen Ziegenbart tragen.

Allerdings hat niemand im Meeting einen Vorschlag, wie der Alm-Öhi in das Setting eingebunden werden könnte. Woraufhin ich vorschlage, die neue Heidi doch in Rio de Janeiro anzusiedeln. Dann stünde die Hütte des Alm-Öhis auf dem Zuckerhut und Heidi wäre eine aufstrebende Sambatänzerin. Ziegenpeter ist ihr Choreograph. Und Klara sitzt – wie im Original – im Rollstuhl, und ihr größter Traum ist es, einmal beim Karneval mitzutanzen.

Und Fräulein Rottenmeier? – Die hat sich 1945 mit ihrem Gatten, einem hochrangigen Nazi, nach Brasilien abgesetzt und hält Samba für entartete Kunst.

Heidi an der Copacabana. Heidi auf Hawaii. Heidi auf der Golden Gate Bridge. Heidi am Kilimanjaro. Heidi im Himalaya. Heidi im Vatikan. Heidi beim Eurovision Song Contest. Heidi bei Heidi Klums Germany's Next Topmodel, mit Heidi Klum als Fräulein Rottenmeier und Wolfgang Joop als Alm-Öhi. Oder mit Heidi Klum als Alm-Öhi und Wolfgang Joop als Fräulein Rottenmeier. Und der Produzent verlangt, dass wir auch noch Helene Fischer integrieren.

Es war Vormittag, es war viel Kaffee und es war Meeting.

12. Februar 2015

Σάουντρακ κρίσης (Soundtrack zur Krise)



Griechenland ist nicht nur Krise, sondern auch Musik. Lasst Άννα Βίσση (Anna Vissi) nach Brüssel fliegen und sie folgendes Lied singen: Ας κάνουμε απόψε μιαν αρχή (Lass uns heute Abend einen Anfang machen). Mit diesem Lied gewann Άννα Βίσση bereits 1977 das Φεστιβάλ Τραγουδιού Θεσσαλονίκης (Thessaloniki Song Festival) und legte damit den Grundstein für ihre bis heute andauernde Karriere. Ihre Spannweite reicht von traditionell klingenden Meldodien bis hin zu zeitgenössischen Discobeats wie in Call Me aus dem Jahr 2003.

Wenn die Winde der Krise besonders hoch peitschen, empfiehle ich Ανεμοδαρμένα ύψη (Sturmhöhe) von Καίτη Γαρμπή (Keti Garbi), veröffentlicht 2013. Und um einen Lichtstrahl am Ende des Tunnels zu sehen, höre dir jenes Lied an, mit dem Καίτη Γαρμπή 1993 beim Eurovision Song Contest antrat: Ελλάδα, χώρα του φωτός (Griechenland, Land des Lichts).

Stammtischpolitiker haben es schon immer gewusst: Griechenland steckt bloß deswegen in der Krise steckt, weil dort Alkohol für umme ausgeschenkt wird. Alkohol is free - diesen Titel sang die Ska-Band Koza Mostra, unterstützt von dem Volksmusiksänger Αγάθωνας Ιακωβίδης (Agathonas Iakovidis), beim Eurovision Song Contest 2013. Und für den Fall, dass jemand durchdreht, haben Koza Mostra noch dies im Programm: Με τρέλα (Mit Wahnsinn).

Die Hip-Hop Band Stavento kooperiert gern mit Sängerinnen aus den Genres Pop und Dance. Mit Έλενα Παπαρίζου (Helena Paparizou), ESC-Gewinnerin 2005, wurde im vorletzten Jahr Στην άκρη του κόσμου (Am Ende der Welt) aufgenommen. Griechenland allerdings ist nicht irgendein Konstrukt am Ende der Welt, sondern lässt sich in nahezu jeder deutschen Stadt auch kulinarisch erfahren; selbst in Frankfurt (Oder) gibt es ein griechisches Restaurant! Esst Moussaka und tanzt Sirtaki bis der Morgen kommt und dann ist die Zeit reif für dieses Lied von Stavento feat. Ήβη Αδάμου (Ivi Adamou): Σαν έρθει η μέρα (Wenn der Morgen kommt).

In dieser subjektiven, nicht auf Vollständigkeit angelegten Auflistung, soll eine Sängerin nicht fehlen: Δέσποινα Βανδή (Despina Vandi), die George Michael Griechenlands. Analog zu George Michaels Last Christmas sang Δέσποινα Βανδή das populärste griechische neuzeitliche Weihnachtslied: Χριστούγεννα (Weihnachten). Δέσποινα Βανδή wurde 1969 in Tübingen geboren; als sie sechs Jahre alt war, ging die Familie zurück nach Griechenland. Und seit den 90ern ist sie eine bekannte Größe im Musikgeschäft. Für den Soundtrack zur Krise habe ich eine ihrer letzten Singles ausgewählt: Όλα aλλάζουν (Alles verändert sich).

5. Januar 2015

Bärgida

Wenn eine Tageszeitung mich nicht aufgeklärt hätte, würde ich immer noch denken, bei "Bärgida" handle es sich um ein neues Internetportal für Bären (haarige schwule Männer). Tatsächlich aber ist "Bärgida" der Berliner Ableger von "Pegida". Ich lege die Zeitung beiseite und erwäge, eine Kampagne namens "Kotzgida" (kurz für: "Kotzen gegen islamophobe Deppenaffen") zu starten. Mein verkaterter Mitbewohner schaut mich überrascht an; statt "Kotzgida" hat er "Kotz, Guido!" verstanden und er kotzt über den Frühstückstisch.

30. Dezember 2014

Glatz-o-mat



Meine Damen und Herren, ich zeige mehr Haut – seit ich eine Glatze trage. Und die Haare stehen mir nicht mehr zu Berge, wenn ich dem Publikum haarsträubende Geschichten erzähle. Niemand kann mir vorwerfen, meine Handlungsstränge seien an den Haaren herbeigezogen.

„Lass mein Haar herab!“ sagte ich zu Rapunzel, der Frisörin. „Lass mein Haar herab, damit mir, wenn ich Sorgen hab, keine grauen Haare wachsen. Und damit mir niemand mehr ein Haar krümmt, wenn er mir was krumm nimmt.“

Seit Rapunzel kein gutes Haar an mir ließ, kriege ich mich mit keinem mehr in die Haare – und werde auch nicht mehr von kulinarisch sonderbar veranlagten Menschen belästigt: Niemand mehr will mir die Haare vom Kopf fressen.

Allerdings bin ich keine Gelegenheit mehr, die sich beim Schopf packen lässt. So wäre ich bei einem Outdoortrip durch den Dschungel von Borneo um ein Haar ertrunken, weil ich mich nicht an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen konnte.

Ansonsten empfiehlt sich eine Glatze auch aus Platzgründen: Von Jahr zu Jahr nämlich werde ich stetig klüger und wenn der Verstand wächst, müssen halt die Haare weg!

Am Alexanderplatz habe ich nun einen Glatz-o-maten aufgestellt, etwa so groß wie ein Fotoautomat. Du gehst rein und nach wenigen Minuten kommt nicht dein Passbild raus, sondern du kommst mit Glatze raus. Ein neues Passbild erhältst du erst dann noch dazu, nachdem du weitere vier Euro eingeworfen hast.

Jetzt im Winter tragen viele Glatzen Mützen. Ich nicht. Als romantisch veranlagter Poet spüre ich gern, wie der Schnee auf mein Haupt fällt.

Die Eltern meines Freundes denken, ihr Sohn wäre mit einem Neonazi liiert. Im Gegenzug glauben meine Eltern, dass mein Freund ein Gotteskrieger ist, der mich zwingt, im Bett eine Burka zu tragen. Aber dazu muss er mich doch nicht zwingen!

9. November 2014

Ostbuxe

Damals hatte ich oft Sexualkontakte ostseits der Mauer und habe dort einmal einem Jungen meine Westjeans geschenkt. Doch anstatt mir im Austausch dafür von ihm seine Ostbuxe geben zu lassen, torkelte ich trunken vor Liebe und Alkohol in Unterhose zurück zum Grenzübergang. Die Westberliner Boulevardpresse machte den Vorfall publik und fortan war es unter Jugendlichen eine beliebte Mutprobe, sich der DDR-Grenze in Unterwäsche zu nähern.

29. April 2014

Reisen mit Uschi



Liebe Ingeborg,

meine Reisen buch ich ja bloß noch bei Uschi-Reisen!

Viele Grüße vom Gardasee
sendet Helga

17. April 2014

Euphoria

Statt mich mit aufgezwungenem Kram zu beschäftigen (wie über 269 Euro Rundfunkgebühr ärgern oder dem Ändern müssen meines Betriebssystems Windows XP zu Windows 7, 8, 9, 10 oder 11), kümmere ich mich heute mal um eine wirklich wichtige Angelegenheit: Ich werde mich in ein Second-Hand-Kaufhaus begeben und mit Hilfe der dortigen Einkaufsassistentinnen ein Kostüm für die Eurovision Song Contest Party auswählen!

27. Februar 2014

Neue Hose



Seit Längerem schon will ich mir eine neue Hose zulegen und recherchiere nach ihr im Internet; was bisher lediglich dazu geführt hat, dass mir am Bildschirmrand häufig Hosenwerbung angezeigt wird – unabhängig davon, ob ich nun gerade nach einer Hose suche oder nach Sexualkontakten.

Vom Flur her ertönt der verzückte Schrei meines Mitbewohners. Er hat ein zalando-Paket bekommen. Der verzückte Schrei weicht einem wütenden Brüllen, als mein Mitbewohner bemerkt, dass ihm die soeben gelieferten Schuhe zu klein sind.

Ich beschließe, meine neue Hose nicht im Internet zu kaufen, und begebe mich in ein analoges Kaufhaus. Ich stelle mich in die Herrenabteilung und rufe: „Guten Tag, ich bin ein Kunde und möchte eine Hose kaufen.“ Niemand außer ein paar Schülerinnen aus Bergisch Gladbach, die auf Klassenfahrt in Berlin sind, reagiert auf mich. Die Schülerinnen helfen mir, eine Hose auszuwählen.

Wieder zu Hause finde ich meinen Mitbewohner nackt vor. Sein Guru hätte als Kalenderblattspruch heute gepostet: „Streif all das ab, was von H&M ist, und du kommst deiner eigenen Persönlichkeit ein Stück weit näher.“ – Ich habe Sorge, dass der Guru morgen dazu auffordert, all das loszuwerden, was von IKEA ist.

Mein Mitbewohner begutachtet meine neue Hose und meint, dass ich in meinem Alter eigentlich längst ein Mindestmaß an Stilbewusstsein hätte entwickeln können. Sagt der, der neulich bei einer Lesung war, bei der 24 Stunden lang Songtexte von Andrea Berg rezitiert wurden.

Um Tiefgründigkeit zu demonstrieren, besuche ich einen Weltverbesserungskongress. Dort bekleckere ich mir meine neue Hose mit veganem Gulasch. Die Hose sieht nun so lecker aus, dass ein just des Weges kommender Hosenfetischist sich hinkniet und das Gulasch von meiner Hose leckt. Ich taufe den Hosenfetischisten auf den Spitznamen Waschmaschine und frage ihn, ob er zufällig auch einen Putzfetisch hat. Dann nämlich täte ich ihn gern noch zu mir nach Hause abschleppen.

12. Februar 2014

Milchshake



Als Teenager stand ich eines Nachmittags an einer Ampel, ein Cabrio fuhr vorbei, die Insassen beschimpften mich als Schwuchtel und ein Milchshake wurde nach mir geworfen. Wann immer ich in den Jahren danach an einer Ampel stand, habe ich versucht, bloß nicht homosexuell zu wirken, damit nicht wieder ein Getränk auf mich fliegt.

In Talkshows und Zeitungsinterviews behaupten homophobe Menschen gern, nicht homophob zu sein. Sie sind gar empört, wenn ihnen eine solche Eigenschaft unterstellt wird. Der Begriff Homophobie scheint eine Bedeutungsverschiebung zu durchleben: Ursprünglich waren bei Homophobie die Homos die Opfer, neuerdings sind bei Homophobie die Homophoben die Opfer.

Stell dir vor, ein Homophober steht an einer Ampel und versucht krampfhaft, nicht homophob zu wirken, wenn gerade ein quietschrosa Cabrio mit giggelnden Tunten drin angefahren kommt.

11. Februar 2014

Horizont durch Berge begrenzt

Schweiz. Bei einer Volksabstimmung sprach sich die Mehrheit dafür aus, das Zuwandern von Menschen aus anderen Ländern zu begrenzen – was mich zu der Frage führt: Haben die Schweizer vergessen, dass selbst Klara, Heidis beste Freundin, eine Ausländerin ist? – Klara kommt aus Frankfurt. Und neuesten Erkenntnissen nach weist auch Ziegenpeter einen Migrationshintergrund auf – Forscher vermuten als Geburtsort ein Dorf in der Nähe von Sarajevo.

28. Januar 2014

Ostschrippe



Seit kurzem arbeite ich in der Bäckerei Jablonski in Hohenschönhausen.

Um sich von den anderen Bäckereien im Umfeld abzusetzen, haben sich die Jablonskis einen ganz besonderen Werbegag ausgedacht. „Wissen Sie, Herr Mars, die Leute hier im Osten wollen gern etwas haben, mit dem sie sich identifizieren können“, hat mir Frau Jablonski bei der Einarbeitung erklärt. Darum heißen die Brötchen nicht etwa Schrippe, Rosinenbrötchen, Käsebrötchen oder Körnerknacker, nein, hier tragen die Brötchen Namen prominenter ostdeutscher Frauen.

„Drei Angela Merkels, bitte!“ heißt es zum Beispiel, wenn eine Kundin welche von den Hellen mit der Einkerbung in der Mitte haben möchte. Zudem gibt es die Franzi-van-Almsick-Schwimmer, das Kati-Witt-Olympiabrötchen, das Nina-Hagen-Mischbrötchen, das Stefanie-Hertel-Dinkelbrötchen, die Carmen-Nebel-Semmeln und die Dagmar-Frederic-Croissants.

Die Angela-Merkel-Schrippen laufen am besten, was keine Überraschung ist, die ganz schlichten Brötchen, die für gewöhnlich auch die günstigsten sind, laufen wahrscheinlich in jeder Bäckerei am besten. Derartige Banalitäten ignorierend hat Frau Jablonski die Bundeskanzlerin aufgrund des Schrippenumsatzes zur beliebtesten Frau Ostdeutschlands gekürt.

Darüber hinaus hat die Jablonski mit ihrem Mann die Beitrittsunterlagen für die CDU ausgefüllt. „Wenn wir erst in der CDU sind, sagt mein Mann, dann steigen die Chancen, dass wir es schaffen, dass die Angela Merkel mal in unserem Laden vorbeikommt.“

Ich hoffe, Angela Merkel kommt an einem Dienstag, denn dienstags hab ich immer frei.

5. Januar 2014

Erster!



Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond. Lena Gercke war die erste Gewinnerin bei Germany’s Next Topmodel. Und ich war der Erste in meiner Klasse, dem schon Haare am Sack wuchsen, während bei den anderen Jungs die Genitalien noch aussahen wie kleine tief gefrorene Hähnchen.

Für den Ersten kann das Erster sein das Letzte sein, wenn er als Erster in der Clique beim Ladendiebstahl erwischt wird, als Erster an einem neuen Virus verreckt oder als Erster bei einem Poetry Slam auftreten muss.

Als erstgeborenes adliges Wesen wärst du der Kronprinz oder die Kronprinzessin und dürftest später König oder Königin werden. Als Erstgeborener in deiner Familie spielst du nicht die erste Geige; deine Eltern wollten eigentlich erst deine Geschwister machen und nur eventuell, vielleicht später, noch dich, du Nachgeburt!

Wenn du nicht weißt, wohin du gehen sollst, gehst du erstmal zu Penny und diskutierst mit der Kassiererin darüber, was zuerst da war: Das Huhn oder das Ei? – Zu Hause dann guckst du im Ersten eine Doku über den Ersten Weltkrieg. Und als du später im Bett zum ersten Mal in dieser Nacht onanierst, denkst du an deine erste große Liebe.

Du gingst bei der letzten Bundestagswahl mit Mitte dreißig noch als Erstwähler durch, weil dies die erste Wahl war, zu der du nicht erst nach 18 Uhr beim Wahllokal aufgekreuzt bist. Und während du in der Politik erst spät die erste Wahl getroffen hast, hast du dich, was deine Kleidung anbelangt, schon früh auf Zweite Wahl festgelegt.

Du schreibst erst seit zehn Jahren an deinem literarischen Erstlingswerk und hast in jedem Studiengang, der an deiner Uni angeboten wird, zumindest das erste Semester absolviert. Das muss dir erst einmal jemand nachmachen!

31. Dezember 2013

Wenn ein Fisch Ohren hätte, würde er sie anstelle von Wattestäbchen mit Fischstäbchen säubern



Dieser Text wurde zu Papier gebracht mit einem Tintenfisch. Alternativ hätte ich auch mit einem Lachs schreiben können, aber lachsfarben liest sich so schlecht auf weißem Papier.

Da er zur Produktion von Literatur ungeeignet ist, ergreift der Lachs den Beruf des Fischquiz-Quizmasters und fragt: „Was ist der Unterschied zwischen einem Fisch und Helene Fischer?“ – Die Antwort: „Ein Fisch lebt im Wasser, Helene Fischer lebt im ZDF. Und Gotthilf Fischer lebt hoch auf dem gelben Wagen.“

Der Fischquiz-Quizmaster kennt auch die DDR-Ernährungsparole Fisch auf jeden Tisch. Bei der Pfarrerstochter Angela Merkel gibt’s zumindest an Karfreitag Fisch. Und seit Angela Merkel als Backfisch in der Uckermark angeln ging, hat sie einen Stockfisch im Arsch.

Apropos Politik: Ein nationalsozialistisch gesinnter Fisch nennt sich Braunfisch. Und sollten Sie in diesem Text nach einem tieferen Sinn suchen, angeln Sie vergebens.

Komme ich nun zum Goldfisch. Als Goldfisch wird jemand bezeichnet, der bei den Olympischen Spielen im Schwimmen eine Goldmedaille gewonnen hat.

Der tolle olympische Hecht zieht durchs Wasser wie durch Hechtsuppe und ist danach platt wie ’ne Flunder und windet sich später wie ein Aal, nachdem er dabei erfischt wurde, wie er im Trüben fischte – also Dopingfischfutter genommen hat.

Und ein weiterer Skandal erschüttert die Fischköppe: Weil der Aralsee verlandet, verlangt Aral, dass Shell auch keinen Schellfisch mehr haben soll. Wogegen schwärmeweise die Fische demonstrieren:
Mit fangfrischem Atem von Fischermen’s Friend
der Fischmob auf den Hamburger Fischmarkt rennt.

Der Fischmob schimpft wie ein Fischweib. Ein Fischweib genervt Tränengasbutter bei die Fische kippt und Fischers Fritz das Fischweib fix fickt. Er ist Wassermann und sie ist Fisch, d’rum bleibt ihre Liebe immer frisch.

Frische in der Liebe erhält sich zudem durch ein ausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz. So sagt das Fischweib bald zum Fischers Fritz: „Auch wenn der Fisch noch nicht komplett gegessen ist, solltest du den Fisch machen, denn der Gast und der Fisch stinken am dritten Tag.“

Fischers Fritz kontert: „Ach, halt die Kiemen, du Fischweib, du nach Bratfisch stinkende Rollmopsin! Du redest doch bloß deswegen so daher, weil der Autor des Textes will, dass das Wort Fisch möglichst oft vorkommt. Fisch! Fisch! Fisch! Fisch! Fisch!“

Angepisst bzw. angefischt reist Fischers Fritz nach Heringsdorf. In Heringsdorf stört der Stör den Barsch im barschen Ton, weil dieser mit dem Thunfisch bloß dem Nichtstun frönt und höchstens mal mit dem Kabel-jau-chzt.

Ein Hai schwimmt vorbei und sagt: „Hi!“ Und die Makrele krakeelt, dass die Sardine von nun an Sabine genannt werden will. Die Sabine wird in die Sabinenbüchse gestopft, dieser Text ist abgefischt und ich gehe nun ins Badezimmer – Silberfische jagen.

18. Dezember 2013

Busfahrer



Neuerdings arbeite ich als Busfahrer. Und weil ich neu bin, werde ich auf öden Routen in Außenbezirken eingesetzt, in denen ich mich nicht auskenne. Einer hinter mir sitzenden Person werfe ich deshalb einen Stadtplan zu und sage: „Du suchst den Weg. Und ich fahre.“

An einer Kreuzung dann habe ich mir heute eingebildet, dass direkt vor meinem Bus Cindy aus Marzahn über die Straße geht. Vor Aufregung habe ich das Fahrzeug versehentlich in eine Ansammlung von Marktständen gelenkt, in deren Mitte eine musizierende Altkleiderfamilie stand. Der soziale Abstieg treibt Eltern dazu, sich mit ihren Kindern auf öffentliche Plätze zu stellen und zu musizieren.

Die Familie hat das Durcheinander genutzt, um möglichst viel herumkullerndes Obst und Gemüse in ihre Gitarrenkoffer und Geigenkästen zu packen und zudem meinen Bus zu klauen.

Den Job als Busfahrer bin ich fristlos los und bin wieder Poet. Und es geht weiter in den Dispo anstatt in die Disco. Und statt einer fettigen Busfahrerfrisur trag ich wieder Stoppeln nur.

12. Dezember 2013

Grau

Elefant.

8. Dezember 2013

Nachtclubverbot



Im Badezimmerradio folgen die Nachrichten. Eine der Meldungen handelt vom Nachtflugverbot am neuen Berliner Flughafen. Weil die Akustik aber durch die Klospülung verrauscht ist, verstehe ich nicht Nachtflugverbot, sondern Nachtclubverbot.

Wieso möchte denn da wer keinen Nachtclub am Flughafen? Wenn jemand den letzten Flug verpasst hat, wäre es doch praktisch, die Zeit bis zur nächsten Reisemöglichkeit mit dem Besuch eines Nachtclubs zu überbrücken.


Nach dem Frühstück rufe ich im Rathaus der Gemeinde Schönefeld an und die für Kultureinrichtungen zuständige Mitarbeiterin erklärt mir, dass in ihrer Gemeinde keine Nachtclubs geplant seien.

„Dann wird es aber Zeit, dass da mal jemand was plant!“ sage ich. „Marktlücken gehören gestopft!“ Spontan entschließe ich mich, demnächst am Flughafen einen Nachtclub zu eröffnen.

Ohne dass ich meiner Absicht schon hätte Taten folgen lassen, demonstrieren bald aufgebrachte Bewohner gegen meine Pläne. Eine Reporterin, die von der Demo berichtet, verfehlt das Thema und berichtet nicht, dass ein Nachtclubverbot gefordert wird, sondern ein Nacktflugverbot.

Nacktflugverbot? – Darüber regt sich nun aber eine Gruppe schwedischer Feministinnen auf. Die Frauen fliegen nach Berlin und steigen nackig aus dem Flugzeug und posieren auf der Gangway für die Fotografen.

Ein Sprecher von Scandinavian Airlines gibt bekannt, dass seine Fluggesellschaft darüber nachdenkt, einen Naked Friday einzuführen, an dem es auf ausgewählten Strecken erlaubt sein soll, unbekleidet an Bord zu gehen.

Das Rad der Zeitgeschichte entfernt sich zunehmend vom Ausgangspunkt der Story und in mir verblasst das Interesse an meinem Nachtclub. Ich wollte doch nur ein bisschen tanzen.

30. Oktober 2013

Frankfurt (Oder)

Früher wurde annektiert, einfach einmarschiert oder Krieg geführt. Heute wird das Herrschaftsgebiet anders erweitert; die Vorgänge nennen sich Wiedervereinigung, EU-Beitritt oder Länderfusion.

Statt die Bundesländer Berlin und Brandenburg zu fusionieren, könnte Brandenburg aber auch gevierteilt werden: Der einwohnerstarke Speckgürtel um Berlin wird dem Land Berlin einverleibt und der Rest zwischen Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen aufgeteilt.


Im dahinscheidenden Land Brandenburg allerdings muss mit Widerstand gerechnet werden. Der hartnäckigste Widerstand wird sich in Frankfurt (Oder) formieren. Statt sich zu entscheiden, ob sie von nun an zu Meckpomm oder zu Sachsen gehören wollen, erklären sich die Oderaner für unabhängig.

Unstimmigkeiten allerdings herrschen noch bei der Staatsform. Manche möchten eine Räterepublik installieren, andere wünschen sich anstelle einer Republik eine parlamentarische Monarchie und bieten Prinzessin Stéphanie von Monaco die Königinnenwürde an. Und dann gibt es noch ein Häuflein Nazis, das von einem Groß-Frankfurt phantasiert und polnische Gebiete auf der Ostseite der Oder heim ins Reich holen will.

Die provisorische Regierung Frankfurts residiert im Oderturm, einem 25-stöckigen Bürohochhaus, dem bislang einzigen Gebäude, das zur Skyline der Stadt zählt. An einem verregneten Montagvormittag evakuiert die Polizei das Gebäude, weil in der Psychiatrie des Klinikums Frankfurt (Oder) ein Patient eingeliefert wurde, der sich Justin Jihad nennt und behauptet, der Oderturm würde bald von einem von Selbstmordattentätern entführten Flugzeug platt gemacht.

Statt eines Selbstmordattentäters landet jedoch Helmut Kohl mit einem Hubschrauber auf dem Oderturm und verspricht der zusammengelaufenen Menge blühende Landschaften. Die im Bahnhof von Frankfurt (Oder) einen Double Whopper essende Prinzessin Stéphanie von Monaco ist über Helmut Kohls Auftritt empört und krönt sich spontan selbst zur Königin – mit einer Pappkrone von Burger King. Und zur Nationalhymne erklärt wird der Song Irresistible, ein Hit aus Stéphanies kurzlebiger Musikkarriere in der 80ern.

20. Oktober 2013

Die Sonnenblumen sind tot.



Rietzneuendorf-Friedrichshof

19. Oktober 2013

9. Oktober 2013

Pilze sammeln



Der neue Retro-Trend im Herbst 2013 heißt Pilze sammeln. Dagegen ist Urban Gardening voll yesterday! Während die einen immer noch an ihrem Beet aufm Tempelhofer Feld rumzupfen, wollen andere längst das wahre Zurück-zur-Natur-Feeling und stromern durch die Wälder Brandenburgs. Aber Vorsicht! Eine Sprecherin des Kreiskrankenhauses in Beeskow, Landkreis Oder-Spree, erklärte, dass heute der erste Neuköllner Hipster mit einer Pilzvergiftung bei ihnen eingeliefert wurde. Und meine Mutter hat versehentlich einen das Bewusstsein erweiternden Drogenpilz gegessen und tanzt seit Tagen im Berghain.

28. September 2013

Krummer Wald



Gryfino

19. September 2013

Lieber einen Wal im Aquarium als eine Wahl im Lokal



Was soll ich bei der Wahl? Wenn ich was wähle, dann möchte ich zwischen guten Optionen wählen und nicht zwischen Scheiße, Kacke, Exkrementen und Fäkalien.

Ich erwäge, den Haribo-Wahl-O-Maten zu befragen: Mit verschlossenen Augen eine Tüte Haribo Goldbären bis auf den letzten Bären aufessen, der Farbe des letzten Bären eine politische Partei zuordnen und diese Partei angekreuzt und fertig.

Ich erreiche das Wahllokal. Das Wahllokal ist im sonstigen Leben eine Kita und an den Wänden im Flur sehe ich Marienkäfer über Marienkäfer. Mehr Marienbildnisse gibt es nicht einmal im Vatikan. Marienkäfer würden Christdemokraten wählen.

Und Kühe würden Künast wählen, wenn sie könnten.

Und Störche würden gar nicht wählen, weil sie im September längst auf dem Weg in den Süden sind.

Ich flüchte mich nach nebenan in einen Spätkauf. Mit zugekniffenen Augen stehe ich vorm Kühlschrank und erwische ein Beck’s Gold. Gelbe Farbe. Soll ich also die FDP wählen? – Danach trinke ich ein normales Beck’s. Grüne Flasche. Eine Schokolade aus der Ritter Sport-Kollektion wandert in meinen Mund. Geschmacksrichtung Marzipan. Die Verpackung ist rot. Bin ich jetzt auf SPD oder SED oder PDS oder Die Linke? – Ich sehe schwarz.

Nach kurzer Bewusstlosigkeit kommt ein Nachbar in den Laden, der auch nicht weiß, was er wählen soll. Aber er weiß, wo eine Wahlparty steigt. Fragt mich nicht, von welcher Partei die Party ist. Ich kann nur sagen, dass die Getränke umsonst sind und dass ich mit einem bärtigen Nachwuchspolitiker nach Hause gehe.

Ich liebe Wahlen! – Aber was spielt es für eine Rolle, wer am Ende gewinnt! Schwarz, gelb, grün, rot, dunkelrot. Die versprechen doch alle dasselbe: Mehr Reichtum! Mehr Frieden! Mehr Bildung! Mehr Schönheit! – Weiter so.

14. September 2013

Die FDP-Version von Modern Talking



You can win if you want!

15. August 2013

Mann mit Ohren



Chemiewerk Rüdersdorf

26. Mai 2013

Der Mietpreis ist eine Bierflaschenrechnung



Der Mietpreis richtet sich nicht bloß nach dem Standard einer Wohnung, sondern auch nach dem Standort. Folglich kann eine vergleichbare Wohnung in Ort A billiger bzw. teurer sein als in B. Das ist wie mit einer Flasche Bier: Bei Kaiser’s kostet eine 0,33-l-Flasche Beck’s mehr als bei Netto; im Spätkauf oder an der Tanke ist die Flasche noch teurer und im Restaurant oder im einem Club sowieso. Idealerweise hast du die Wahl, wo du dein Bier trinkst. Aber was ist, wenn dein Vermieter ankündigt, dich auf Edelpuff heraufzustufen, die Butze allerdings nach wie vor aussieht wie Aldi und du dir äußerstenfalls REWE leisten kannst?

23. Mai 2013

10. Mai 2013

Frühling lässt seinen blauen Sessel...



Frühling lässt seinen blauen Sessel wieder stellen auf die Wiese!

6. Mai 2013

Theater der Freundschaft



Die Dramaturgie der Zeit hat die Freundschaft hier wohl ein wenig in die Jahre kommen lassen.

Nauen

5. Mai 2013

KUCHENVISION



Es ist Sonntag und ich habe eine Kuchenvision!

Friedrichshain, Frankfurter Allee

19. April 2013

Uckermark Airlines



Uckermark Airlines fliegt sie bequem nach Prenzlau, Schwedt, Angermünde und in andere nordostbrandenburgische Metropolen!