8. Dezember 2013

Nachtclubverbot



Im Badezimmerradio folgen die Nachrichten. Eine der Meldungen handelt vom Nachtflugverbot am neuen Berliner Flughafen. Weil die Akustik aber durch die Klospülung verrauscht ist, verstehe ich nicht Nachtflugverbot, sondern Nachtclubverbot.

Wieso möchte denn da wer keinen Nachtclub am Flughafen? Wenn jemand den letzten Flug verpasst hat, wäre es doch praktisch, die Zeit bis zur nächsten Reisemöglichkeit mit dem Besuch eines Nachtclubs zu überbrücken.


Nach dem Frühstück rufe ich im Rathaus der Gemeinde Schönefeld an und die für Kultureinrichtungen zuständige Mitarbeiterin erklärt mir, dass in ihrer Gemeinde keine Nachtclubs geplant seien.

„Dann wird es aber Zeit, dass da mal jemand was plant!“ sage ich. „Marktlücken gehören gestopft!“ Spontan entschließe ich mich, demnächst am Flughafen einen Nachtclub zu eröffnen.

Ohne dass ich meiner Absicht schon hätte Taten folgen lassen, demonstrieren bald aufgebrachte Bewohner gegen meine Pläne. Eine Reporterin, die von der Demo berichtet, verfehlt das Thema und berichtet nicht, dass ein Nachtclubverbot gefordert wird, sondern ein Nacktflugverbot.

Nacktflugverbot? – Darüber regt sich nun aber eine Gruppe schwedischer Feministinnen auf. Die Frauen fliegen nach Berlin und steigen nackig aus dem Flugzeug und posieren auf der Gangway für die Fotografen.

Ein Sprecher von Scandinavian Airlines gibt bekannt, dass seine Fluggesellschaft darüber nachdenkt, einen Naked Friday einzuführen, an dem es auf ausgewählten Strecken erlaubt sein soll, unbekleidet an Bord zu gehen.

Das Rad der Zeitgeschichte entfernt sich zunehmend vom Ausgangspunkt der Story und in mir verblasst das Interesse an meinem Nachtclub. Ich wollte doch nur ein bisschen tanzen.